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1806 Klicks zum Sieg

Ihr habt es geschafft! An Pfingsten erreichte uns die freudige Nachricht, dass Babel Deutschland e.V. einer der drei Gewinner des Europawettbewerbs des Wochenmagazins DER FREITAG gewählt wurde.
Eure 1806 Clicks brachten uns auf den 8. Platz - die Jury wählte unter den ersten 25 Projekten aus. Besonders perfide: man konnte jeden Tag wählen, so dass sich mancher Babelianer über die täglichen Aufforderungen in allen Sprachen beschwerte. Wir sagen DANKE (in allen erdenklichen Sprachen)

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Das Preisgeld von 1000 EUR werden wir in das Babel Migration Projekt investieren. In dieser Reihe erzählen wir die Lebensgeschichten junger Europäer, die sich aus beruflichen Gründen entscheiden in ein anderes Land zu ziehen.
 In persönlichen Portraits, Reportagen, Interviews und Bildstrecken verfolgen wir die Wege dieser „Young Professionals“ und berichten von ihrem Leben und ihrer Arbeit in einer neuen Stadt. Um ein breites Spektrum an Geschichten aus ganz Europa zu haben, kooperiert das Team des berlin.babel.blogs mit den Cafebabel-Teams aus Belgrad, Budapest, Neapel, Warschau und Wien.

Hier der Link zum aktuellsten Artikel aus Budapest: budapest.cafebabel.com

Viel Spaß beim Lesen! Cafe Babel Berlin

Bewegte Blicke auf dem Theaterfestival "La Ménagerie"

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Die vierte Ausgabe des französischsprachigen Theaterfestivals "La Ménagerie" wird am 21. Mai im Institut Français Berlin eröffnet und findet vom 24. bis. 26. Mai im Jugendkulturzentrum Pumpe in Berlin Mitte statt.

2013 widmet sich das Festival den „Bewegten Blicken“: Empfindsamkeit, Feingefühl, Exhibition, Intimität, im öffentlichen wie im privaten Raum... Das Thema zeigt die Zwiespältigkeit des Theaters, ein Universum in dem sich die Exhibition mit der Intimität vereint. 5 französischsprachige Theaterstücke, 1 Lesung, 1 Pantomimevorstellung, 1 Improvisationsmatch, 1 Familiennachmittag und 1 Märchennachmittag warten auf Euch!

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Probenfoto: "Blaubart-Hoffnung der Frauen" (Copyright : Alice Binick)

Masseur, Photoautomat, Zeichner, Sketche, Masken, Jongleure...Ob man frankophon ist oder einfach nur eine Vorliebe für das Französische hat, das Berliner Publikum wird während des Festivals die grandiose Möglichkeit haben, sich in eine rein französische Welt zu stürzen, ein oftmals romantisches und poetisches Universum, das mit deutschen Übertiteln jedem zugänglich sein wird.

Alle Neuigkeiten zum Festival finden sich auf dem Blog

Viel Spaß!

Stimmt für Cafebabel! – Und helft uns die Serie „Babel Migration“ auszubauen

von Christina Heuschen

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Wirtschaftliche und politische Kooperationen stehen in Europa auf der Tagesordnung – Was aber ist mit dem Gedanken der europäischen Gemeinschaft und des kulturellen Zusammenhalts? Dem Europa der Bürger?

Auch Der Freitag stellt sich diese Frage. Mit dem Wettbewerb Europa der Bürger möchte die Wochenzeitung nun Projekte fördern, die sich für ein gemeinsames Europa und einem solidarischen und friedlichen Gedanken multikultureller Einheit widmen. Dabei gibt es insgesamt 8000 Euro in verschiedenen Kategorien zu gewinnen. Auch das Team des berlin.babel.blogs hat sich beworben, um den paneuropäischen Journalismus ausbauen zu können. Hier könnt Ihr für uns abstimmen: europawettbewerb.freitag.de

Mit der Förderung möchten wir die journalistische Artikelserie "Babel Migration" des berlin.babel.blogs ausweiten. In dieser Reihe erzählen wir die Lebensgeschichten junger Migranten, die sich aus beruflichen Gründen entschieden haben in ein anderes europäisches Land zu ziehen.
 In persönlichen Portraits, Reportagen, Interviews und Bildstrecken verfolgen wir die Wege dieser „Young Professionals“ und berichten von ihrem Leben und ihrer Arbeit in einer neuen Stadt und der damit zusammenhängenden sozialen Mobilität. Um ein breites Spektrum an Geschichten aus ganz Europa zu haben, kooperiert das Team des berlin.babel.blogs mit den Cafebabel-Teams aus Belgrad, Budapest, Neapel, Warschau und Wien.

Veröffentlicht wurden bereits drei Artikel: So interviewte Karolina Golimowska, ein Mitglied des Berlin-Teams, Djerdj Horvat, der in Berlin zum Thema Innovationsmanagement promoviert. Das Wien-Team berichtete über Asylbewerber, die in Wien u. a. für eine Arbeitsbewilligung kämpfen. Und das Team aus Neapel interviewte eine junge Frau, die in Neapel Englisch unterrichtet und von positiven und negativen Seiten der Stadt erzählt.

Mit einer finanziellen Unterstützung möchten wir jungen Journalisten und Fotografen die Recherche nicht nur in der eigenen Stadt, sondern auch in den anderen teilnehmenden Städten ermöglichen, um andere Blickwinkel von Europa zu erhalten und einen journalistischen Austausch über Europa zu ermöglichen.
Von heute an könnt ihr jeden Tag bis zum 6. Mai 2013 einmal täglich abstimmen. Also stimmt für uns!

Walk Off The Earth: Internetsensation dank Youtube

Die Gruppe Walk Off The Earth ist ein Kind des Universums YouTube. Mit der Veröffentlichung ihres Albums und anschließender Europatournee will die kanadische Band jetzt beweisen, dass sie mehr zu bieten hat als ein paar hundert Millionen Klicks. Das war uns fünf Fragen wert.

WOTEWer das Phänomen Walk Off The Earth (kurz auch WOTE) verstehen will, muss in die Welt von YouTube, Facebook und Co. eintauchen – eine Welt, in der man Musik erschafft, anhört, kopiert, remixt, weiterleitet, teilt, auf seine Pinnwand postet. Anders ausgedrückt: ein existentielles Problem für Musiker und das heutige Musikbusiness. Oder: Alltag für eine ganze Generation. Oder: ein Rätsel für viele andere. In dieser Welt ist Rewind Youtube Style 2012 ein Versuch, die Milliarden von Posts, die 2012 auf der Videoplattform veröffentlicht wurden, zusammenzufassen. Das erste Bild des Medleys: fünf junge Musiker, vier Männer und eine Frau, die auf einer einzigen Gitarre spielen. (Bevor sie von Psy, dem südkoreanischen Musiker, der den ganzen Planeten die Gangnam Style Choreografie hat tanzen lassen, zerschmettert wird.) WOTE 2.0

Das bekannteste Video von Walk Off Th Earth (das ist die Band, von der wir hier sprechen wollen) – eine Coverversion des Songs „Somebody that I used to know“ des belgischen Sängers Gotye – hat 150 Millionen Klicks auf YouTube erhalten. Das Video hat sich nicht nur wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet, sondern hat auch die Karriere der kanadischen Band ordentlich in Schwung gebracht: Gianni, Sarah, Joel, Mike und Ryan sind seitdem Stars im Web 2.0. Klicks über Klicks, Posts über Posts: Der weltweite Hit „Someone like you“ von Adele oder „One day – Reckoning Song“ der schon zum Kult gewordene Remix eines Stücks von Asaf Avidan sind Beispiele für erfolgreiche Coverversionen von WOTE, die heute nicht mehr im Radio, sondern auf dem iPod gehört werden. Markenzeichen dieser Videos: alten Hits eine neue, oft überraschende Gestalt geben.

Trotz kleiner Schmuckstücke wie der Clip zu Red Hands sind die eigenen Titel von Walk Off The Earth (noch?) nicht der Renner auf YouTube. Aber die fünf vielseitig begabten Musiker wollen seitdem von ihrer neuen Bekanntheit profitieren, um dies zu ändern. Im Anschluss an die Veröffentlichung ihres neuen Albums R.E.V.O.(Realize Every Victory Outright) ist die Band gerade auf einer dreiwöchigen Europatournee. Wir haben Sarah und Joel ein paar Stunden vor ihrem Auftritt in Berlin getroffen.

cafebabel.com: Wie sah eure Karriere vor eurer mittlerweile berühmten Videoversion von „Somebody that I used to know“ aus?

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WOTE: Wir haben alle bei unterschiedlichen Gruppen gespielt, bevor wir uns zusammen getan haben. Wir hatten auch davor schon YouTube genutzt und haben zum Beispiel regelmäßig Konzertvideos online gestellt. Gianni hat dann unsere Art zu arbeiten verändert und uns ermutigt, Videos extra für YouTube zu produzieren. Direkt auf die Fans zuzugehen und zu sehen, wie sie reagieren.

cafebabel.com: Was denkt ihr über all die Veränderungen, die euch dieses Video beschert hat?

„Wenn Millionen von Usern auf Youtube sind, warum nicht dorthin gehen?“

WOTE: Wir fanden Gotyes Song einfach großartig und haben großes Potential darin gesehen. Wir haben unser Video in einer einzigen Nacht gedreht, in einer sehr langen Nacht. Und am nächsten Tag war alles anders. Dieses Video hat uns viele Türen geöffnet. Im Musikbusiness brauchst du den perfekten Mix – vorher weißt du nie so genau, ob ein Song erfolgreich sein wird oder nicht. Was uns sehr gefreut hat, war die positive Reaktion von Gotye auf Twitter. Das trägt dazu bei, einen Teamgeist im Internet unter den verschiedenen Künstlern zu entwickeln.

cafebabel.com: Welche Rolle spielen seitdem soziale Netzwerke oder YouTube in eurer Karriere?

WOTE: Es ist wichtig, die Nachrichten zu lesen, zu antworten und mit den Fans in Kontakt zu treten. Joel ist mehr der Twitter-Typ, Gianni eher Facebook. Aber wir sind alle jeden Tag online. Als ich jünger war, hätte ich gerne Kontakte zu meinen Lieblingskünstlern geknüpft und mich als Teil einer ‚Bewegung‘ gefühlt. Ich glaube, dass ist heute sehr wichtig für eine Karriere. Vor allem muss man auch dort sein, wo die Fans sind. Wenn Millionen von Usern auf YouTube sind, warum nicht dorthin gehen? Aber es ist sehr wichtig für uns, unsere Fans auch wirklich zu treffen, ihre Reaktionen auf unseren Konzerten zu sehen.

cafebabel.com: Wie schafft ihr es seitdem, auch eure eigenen Songs in den Vordergrund zu rücken?

WOTE: Drei Monate lang haben wir jeden Tag an unserem neuen Album gearbeitet. Das ist heute unsere Herausforderung: von ‚Diese Band, die Gotye mit einer einzigen Gitarre gecovert hat – wer sind die?‘ zu ‚Diese Band mit den super originellen und coolen Stücken – wer sind die?‘ In Kanada hat das mit unserem Song Red Hands schon mal ganz gut geklappt. Denn nur weil man mit einem Titel berühmt geworden ist, heißt das noch lange nicht, dass die Karriere geritzt ist. Es gibt haufenweise Bands, die mit einem Song einen Hit landen und gleich danach wieder in der Versenkung verschwinden.

cafebabel.com: Habt ihr nicht Angst, keine einzige CD an ein Publikum zu verkaufen, dass sich so gut mit den Möglichkeiten des Internets auskennt?

WOTE: Es wird immer Leute geben, die CDs kaufen. Für dieses Album haben wir das Beste gegeben und in Toronto ist es momentan der Renner. Solange wir können, werden wir jedenfalls CDs machen. Sicher wird es immer den ein oder anderen geben, der sich unsere Musik nicht auf legalem Wege beschaffen wird. Aber wir vertrauen unseren Fans. Und solange sie zu unseren Konzerten kommen und unsere T-Shirts kaufen, ist das auch in Ordnung.

von Sebastien Vannier Übersetzung: Kathrin Faltermeier

Fotos : ©Erin O’Connell & Shawn Van Daele; Videos: “Somebody that I used to know” und “Red Hands” (cc)ThisIsVonni/YouTube

Ausstellung: "Erbeute mich!" - Zwischen Munch'scher Verzweiflung und Wackeldackel

Lars Rosenbohm

Lars Rosenbohm macht mit über 100 Werken Halt in Berlin

Berlin, 14. März 2013. Unter dem Titel “Erbeute mich!” zeigt der Bielefelder Künstler Lars Rosenbohm aktuelle Arbeiten im Raum für drastische Maßnahmen in Berlin-Friedrichshain. Auf über 100 DIN-A-3-formatigen Werken kann man sich von der Schaffensvielfalt Rosenbohms überzeugen. Der Künstler ist nicht nur äußerst kreativ, sondern auch schnell: die Zeichnungen sind spontan und so wechseln sich Textfragmente oder einzelne Begriffe mit mehr oder erkennbaren Motiven ab. Das macht Spaß und lässt viel Raum für Interpretationen.

Eine der vielen Inspirationsquellen für die aktuellen Arbeiten von Rosenbohm ist das Buch “Müdigkeitsgesellschaft” von Byung-Chul Han, aber eben auch diese Angst, die nicht nur Künstler kennen: die Angst vor der weißen Leinwand, vor der Blockade im Kopf. Der ehemalige Industriekaufmann hat so einiges zu erzählen und zu zeigen - versprochen werden sowohl intellektuelle als auch visuelle Stimulation. Das klngt doch nach ner runden Sache. Hingehen!

Vernissage: 21. März 2013 ab 19h 22. - 27. März tägl. 16 - 19h Finissage: 04. April 2013 ab 19h

Galerie: Raum für drastische Maßnahmen / www.rpunkt.org Oderstraße 34 in Berlin-Friedrichshain

Shooresh Fezoni - So wie ich Dich sehe

Shooresh

Fotoausstellung im R.-Raum für drastische Maßnahmen in Friedrichshain

"In Paris würde man mich für meine Bilder hängen, glaube ich" - ein bisschen übertrieben mag das klingen, doch ein Körnchen Wahrheit steckt drin, denn in Frankreich ist das Recht am eigenen Bild sehr viel stärker reguliert als in Deutschland. Der deutsch-iranische Künstler Shooresh Fezone nimmt für seine Fotoserie "So wie ich Dich sehe" Menschen an öffentlichen Orten mit seiner Handykamera auf. Gerne in U-Bahnen, aber auch auf der Straße, wobei in in Berlin besonders der Neuköllner Kiez inspiriert. Obwohl er den Auslöser meist heimlich betätigt, ist er zwar immer Beobachter, niemals aber Voyeur.

Kuratorin Ana Baumgart stellt diese digitalen Bilder auf besondere Weise aus: in Holzkästen, hinter einem Vorhang versteckt. So muss der Zuschauer erst etwas dafür tun, dass er einen (Augen-)Blick in das Leben der anderen werfen darf.

Unbedingt sehenswert.

Vernissage: 08. März 2013 ab 19h Finissage: 15. März 2013 ab 19h

9.-15. März, tägl. 15-19h

Galerie: Raum für drastische Maßnahmen / www.rpunkt.org Oderstraße 34 in Berlin-Friedrichshain

European Shooting Stars 2013: Luca Marinelli

Interview: Sandra Wickert // Fotos: Katarzyna Świerc

Seit seiner Verkörperung des sensiblen, in-sich-gekehrten Mattia in Saverio Costanzos „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ist Luca Marinelli vom absoluten Geheimtipp zum gefragten Nachwuchsschauspieler avanciert. Neben seiner Fähigkeit, die unterschiedlichsten Charaktere glaubwürdig und lebensnah darzustellen, wird immer wieder sein hypnotischer Blick erwähnt. Während der European Shooting Stars 2013 sprechen wirin einem Round-Table-Interview mit dem nominierten Italiener über Lampenfieber. Lieblingsfilme und ein ganz klein wenig auch über die Liebe.

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Ein Konferenzraum, vollgepackt mit 10 Shooting Stars und gefühlt 100 Journalisten, Fotografen und Koordinatoren, die in verschiedenen Ecken versuchen, den anwesenden Jungschauspielern ein paar persönliche Worte zu entlocken. PR-Agentinnen achten penibel auf die Einhaltung der vorgegebenen Zeit, Kameras blitzen, batterieschwache Aufnahmegeräte piepsen und es ist laut, hektisch und wuselig. Und mittendrin diese Augen. Man kann gar nicht anders, als sich in Luca Marinellis intensivem Blick aus den grau-grünen Augen zu verlieren und das Geschehen um einen rum komplett zu ignorieren. So sehr bin ich zunächst gefangen, dass ich zunächst gar nicht bemerke, dass das Interview schon begonnen hat und der italienische Journalist das Wort ergriffen hat und Luca erzählt, dass er der Liebe wegen letzten Sommer nach Berlin gezogen ist. Höchste Zeit also, zur journalistischen Professionalität zurück zu kehren und meine Fragen loszuwerden.

cafebabel.com: Du bist in einer Familie aufgewachsen, in der das Thema Film schon immer eine große Rolle spielte. Wie hat sich das auf Deine Berufswahl ausgewirkt?

Luca Marinelli: Mein Vater war Synchronsprecher und dadurch waren Filme immer präsent bei uns. Ich erzähle Dir jetzt was Romantisches: ich habe viele, viele Filme mit meiner Großmutter gesehen. Sie liebte italienische Filme und so habe ich einen Großteil meiner Zeit damit verbracht, mit ihr italienische Klassiker wie „Fahrraddiebe“ oder „Man nannte es den großen Krieg“ zu schauen.

cafebabel.com: Gibt es Schauspieler die Du bewunderst?

Aus dieser Zeit gibt es sehr viele, die ich mag: Manfredi, Gassman, Mastroianni.

cafebabel.com: Und welches Poster hing in Deinem Jugendzimmer über Deinem Bett?

Luca: Eigentlich keins. Ach doch – Marlon Brando in „Apocalypse Now“ hängt immer noch in meinem Zimmer in Italien...dieses Bild, wo ein Käfer auf seinem Kopf sitzt. Ich schaue ihm immer in die Augen.

cafebabel.com: Du spielst oft sehr starke, polarisierende Charaktere, wie den verstörten Mattia in „Die Einsamkeit der Primzahlen“ oder einen Transsexuellen in „The Last Man on Earth“. Gibt es irgendeine Rolle, die Du ablehnen würdest? Luca: Eigentlich nicht. Manchmal ist es schwer, einen Charakter zu formen, wenn man nicht viel Informationen erhält.

cafebabel.com: Für „Die Einsamkeit der Primzahlen“ musstest Du eine Menge an Gewicht zulegen. Wie war das für Dich?

Luca: Es war ganz schön schwer. Es war mein erster Film und ich musste meinen Körper verändern, habe 16 Kilo zugenommen. Aber Alba (A. Rohrbacher, die die weibliche Hauptrolle spielt, Anm. d. A.) hat mich dabei sehr unterstützt, außerdem hatte ich einen großartigen Regisseur. Da habe ich „Kino“ gelernt.

cafebabel.com: Und wie schwer war es, die Extrakilos wieder loszuwerden?

Luca: Das war nicht so schwer. Es hat ungefähr einen Monat gedauert.

cafebabel.com: Gibt es irgendwas, was Dir an Deinem Beruf nicht gefällt?

Luca: Was ich nicht mag....Interviews geben (lacht). Nein, im Ernst, das ist etwas, was man anfangs nicht versteht und was man erst lernen muss. Aber das ist natürlich sehr wichtig. Die Schauspielerei ist ein wunderbarer Job, so lange man arbeitet. Aber manchmal gibt es Pausen dazwischen, die dauern mehrere Wochen oder sogar Monate. Damit muss man auch umgehen können. Ich habe sehr viel Glück mit meinem Beruf und kann mir so meinen freien Geist bewahren.

Luca erzählt, wie er sich in Berlin oft Aufführungen von Schauspielstudenten ansieht und wie er das Theaterspielen vermisst.

cafebabel.com: Hast Du immer noch Lampenfieber vor Auftritten?

Luca: Oh ja! Das ist ein Gefühl wie kurz vor dem Sterben! Egal ob im Theater oder eben vorher auf der Bühne bei der Pressekonferenz.

cafebabel.com: Was tust Du, um dieses Angst loszuwerden?

Luca: Nicht so richtig. Ich bin ein bisschen abergläubisch. Manchmal denke ich: „Gestern habe ich das so und so gemacht, und heute mache ich das wieder genau so“. Aber manchmal passiert dann einfach nichts (lacht). Aber nein, eigentlich habe ich kein Mittel dagegen.

cafebabel.com: Man liest, Du singst gerne. Für Dich alleine oder auch vor Publikum?

Luca: Oh nein, bisher nur alleine. Vielleicht irgendwann mal auf der Bühne.

cafebabel.com: Welche Musik magst Du und welches war das letzte Konzert, das Du gesehen hast?

Luca: Rock! Mein letztes Konzert....hm...

cafebabel.com: Das scheint schon eine Weile her gewesen zu sein.

Luca: Ja...ich glaube, das war William Fitzsimmons!

Leider ist an dieser Stelle unser Interviewtermin auch schon vorbei, die PR-Dame klopft auf die imaginäre Armbanduhr und Luca muss weiter, zum nächsten Termin.

cafebabel.com: Gute Wahl. Luca, vielen Dank für dieses Gespräch!

Luca: Danke und "Tschüss."

Videointerviews mit den 10 European Shooting Stars auf cineuropa.org und nisimasa.com

Man spricht deutsch: Zur Englisch-Deutsch Debatte unter Berliner Expats

In den englischsprachigen Berlin-Blogs und auf Twitter ist eine Debatte darüber entflammt, ob Berliner Zugezogene Deutsch lernen sollten oder nicht. Ist es arrogant, sein Berliner Leben ausschließlich auf Englisch zu gestalten?

deutsch1_man Man spricht deutsch - Satire aus dem Jahr 1988 mit Gerhard Polt

Julie Colthorpe ist vor 12 Jahren Berlin gezogen und spricht mittlerweile richtig gut deutsch. Im englischsprachigen Stadtmagazin Exberliner echauffiert sie sich in ihrem Artikel „Sorry, no German“ darüber, wie mehr und mehr Zugezogene die deutsche Sprache weder beherrschen, noch vorhaben, diese jemals zu lernen. Auslöser für ihren Ärger über „arrogante Drückeberger“ und deren „blasierte, nonchalante Attitüde“ war der Besuch in einem australischen Restaurant in Neukölln, in dem man mit Deutsch nicht sehr weit kommt, da dort ausschließlich Englisch gesprochen wird. Colthorpes Ratschlag an diejenigen, die meinen, dass sie sich auf ihre englischen Sprachkenntnisse verlassen können: „Go back to your mum for some extra nursing or an extra kick in the Arsch. Or better yet, move to Brandenburg and see how far your English gets you there.”

Keine Schimpftirade ohne Gegenrede – es dauerte nicht lang, da meldete sich im mit Lauren Oyler eine ebenfalls in Berlin lebende Expat zu Wort. Die Amerikanerin in Neukölln fühlt sich angegriffen und erwidert das Feuer im überlin Blog. Ihre Meinung: „Nur weil man vielleicht ein paar Wikipedia-Artikel lesen und ‚der, die, das‘“ korrekt benutzt, ist man noch lange kein kultureller Kreuzzügler, der die Welt besser macht.“ Für Oyler machtdie Expat-Culture einen wichtigen Teil der Berliner Kultur aus.

Seitdem liefern sich die Leser von Exberliner und überlin einen Schlagabtausch über Twitter. Und ich als Follower beider Magazine gebe nun auch meinen Senf zum #deutschrant dazu.

Ich bin Deutsch-Muttersprachlerin, auch wenn ich das dialektfreie Hochdeutsch erst während meines einjährigen USA-Aufenthalts gelernt habe. Seit drei Jahren wohne ich mit einer Holländerin in einer Wohngemeinschaft. Mittlerweile kann sie ganz passabel deutsch, doch ihr Freundeskreis ist fast ausschließlich englischsprachig. Vergleichen wir mal eine typische Josie- mit einer typischen Sandra-Woche und schließen daraus, was Josie und ihre Expatfreunde dabei alles an Berliner Kultur verpassen.

deutsch2_helga Helga Beimer - für mich die Mutter der Nation, für Josie und ihre Expat-Freunde eine Fremde

Montag: Josie* war Schwimmen, im Stadtbad Neukölln. Ich habe „Rach der Restauranttester“ auf RTL gesehen. Entgangen sind ihr dabei so schöne deutsche Worte wie „Mehlschwitze“ oder „Rotweinsud.“

Dienstag: Josie ist auf einer Ausstellungseröffnung in Schöneberg, es geht darin um „Möglichkeiten, sich aufzulösen, ohne zu verschwinden“. Ich verschwinde am Dienstagabend ebenfalls, und zwar in die Badewanne. Dazu gibt’s zwei Folgen Lindenstraße per Stream. Josie verpasst damit ein Stück meiner Jugend, denn die Endlosserie ist seit 20 Jahren fester Bestandteil meines Lebens. Für mich ist’s undenkbar, nicht zu wissen, wer Mutter Beimer, Vasily oder Momo sind – meine Mutter würde Josie dafür aber eher beglückwünschen, denn für sie bedeutet die Seifenoper schon seit jeher den Untergang der deutschen Unterhaltungskultur.

Mittwoch: Josie geht auf ein Konzert von Prinz Pi. Der rappt auf Deutsch und Englisch, Josie gefällt‘s, vielleicht auch gerade weil sie nicht alles versteht. Ich habe es mir mit dem „Spiegel“ auf der Couch gemütlich gemacht. Schnell überblättere ich die lästigen Poltik-Seiten und versenke ich mich in „Warum Stress dick macht“ (und beiße dabei nicht ohne Schuldbewusstsein in einen Schoko-Erdnuss-Riegel.) Da gibt’s nix zu diskutieren: die Englischsprachige bekommt heute mehr Berlin-Kultur ab als ich.

Donnerstag: Josie bekommt Besuch von zu Hause. Die drei Jungs sind schon bestens vernetzt hier, deshalb geht es auf eine WG-Party. In Neukölln. Natürlich. Ich gehe zu meinem Freund. Der hat ein Pay-TV Abo und deshalb läuft Fußball, auf allen Kanälen. Auch hier entgeht Josie nicht viel – obwohl: Benfica zerlegt Leverkusen und dabei könnte sie einige schöne deutsche Schimpfwörter lernen. Freitag, Samstag, Sonntag: Wochenende. Das verbringen wir meist ähnlich. Wir gehen in die gleichen Bars, zusammen oder getrennt, wir mögen die gleichen Drinks, wir haben danach den gleichen Kater sowie die gleiche Ausrede, nicht ins Fitnessstudio gehen zu können (zu kalt/zu schwach/zu weit).

Das Fazit? In einer typischen Woche sieht es tatsächlich meist so aus, dass Josie mehr rumkommt und neue Locations ausprobiert oder mehr Leute kennenlernt als ich. Das mag damit zu tun haben, dass ich den Großteil des Winters ein Dasein als träge Couch-Potato friste, das liegt aber auch an der Eigenart des Expat-Lebens: viele Menschen, die gemeinsam fremd an einem Ort sind erschaffen sich zusammen ihre eigene Kultur.

deutsch3_kiz Die provokanten Deutschrapper K.I.Z.




Es ist klar, dass das rein englischsprachige Expat-Life ein anderes ist als das Leben im deutschsprachigen Freundeskreis, mit Tatort schauen, Diskussionen über K.I.Z.-Lyrics und Wortwitzen zum Thema Schwaben-Bashing und Pferdefleischskandal (Josie findet „Gaultaschen“ überhaupt nicht witzig. Ich könnte mich immer wieder darüber kaputtlachen.) Viele Expats sprechen kein Deutsch, weil sie es eben nicht müssen - „harsche, ökonomische Realität“ nennt das Lauren Oyler. Und das ist ihr gutes Recht. Übrigens genauso, wie es das gute Recht eines Australiers ist, in seinem Berliner Restaurant das Menü nur auf Englisch zu schreiben oder wie ein schwäbischer Bäcker in Prenzlauer Berg seine Brötchen „Weckle“ nennen darf.

Neulich hat mich Josie um Hilfe gebeten, als es um einen Brief von der Krankenkasse ging. Ein genervtes „Learn German!“ ist mir da auf einmal rausgerutscht – Toleranz funktioniert eben doch nur so lange, bis es für einen selbst unbequem wird. Dass Julie Colthorpe sich aber durch ihre englischsprachigen Mitmenschen, die kein Deutsch lernen wollen, belästigt fühlt, ist dann doch etwas überheblich. Ich hätte da eine Idee, wie das wieder auszubügeln wäre: Liebe Frau Colthorpe, übersetzen Sie diesen Artikel doch in ihre Muttersprache. Damit ihn auch die arroganten Drückeberger verstehen können. Denn das würde mich, und sicher auch Josie, sehr glücklich machen. Thank you!

Fotos: lindenstrasse.de, filmstarts.de, royalbunker.de

*Name geändert.

Berlinale 2013: Mund halten, durchhalten: Frauen, die nicht aus der Reihe tanzen.

Lifelong

In „Frauen, die aus der Reihe tanzen“, portraitiert Christiane Lötsch starke weibliche Charaktere der Panorama-Sektion. Doch neben den selbstbewussten Frauen, die zu dem stehen, was sie sind und wissen was sie wollen, gibt es bei der diesjährigen Berlinale nicht wenige weibliche Rollen, die nicht rauskönnen aus ihrer Haut. Dabei ist es egal, ob die Geschichte in Istanbul, Salta (Argentinien) oder Ludwigsburg spielt: die unerträgliche Schwere des Seins kennt keine geografischen Grenzen.

In Vierteln wie Nisantasi eröffneten damals gelangweilte Societydamen nicht Kunstgalerien, sondern Boutiquen, in denen sie aus Elle, Vogue oder Burda abgekupferte oder aber kofferweise aus Paris oder Mailand eingeflogene Kleider und nachgemachten Modekram zu aberwitzigen Preisen an andere gelangweilte, aber solvente Hausfrauen zu verhökern suchten. So beschreibt Hauptfigur aus Orhan Pamuks „Das Museum der Unschuld“ Nisantasi, das schicke Viertel in dem die fatale Liebesbeziehung zu einem jüngeren Mädchen seinen Anfang findet. Can und Ela, ein nicht mehr ganz so junges Ehepaar in „Hayatboju (Lebenslang)“ (Asli Özge, Türkei) haben sich dort in einem schicken kleinen Häuschen niedergelassen. Die Einrichtung ist geschmackvoll-modern: Kunst an den Wänden, Designbüchern in den Regalen, und eine zwar nicht gerade praktische, dafür aber stylische Wendeltreppe. Viel weiß, wenig Farbe - genauso blass wie das Interieur ist die Beziehung geworden. Ela scheint sich damit abgefunden zu haben, dass die Leidenschaft einer gleichgültigen Koexistenz gewichen ist. Während sie sich als Künstlerin gegen die jüngere Konkurrenz durchzusetzen weiß und selbstbewusst ihre Forderungen stellt, erträgt sie die Unzufriedenheiten in ihrem Privatleben schweigend. Keine liebevollen Gesten, beim ehelichen Beschlaf eher Statistin als ebenbürtige Partnerin, kein gemeinsames Lachen, dafür kleine Lügen und Spitzfindigkeiten. Als sie Can beim Telefonsex erwischt, scheint es, dass ich das Blatt wendet. Und tatsächlich, Ela begibt sich auf Wohnungssuche. Doch genau hier zeigen sich die Grenzen einer möglichen Unabhängigkeit. Der Rock mag zwar aus Japan sein, die Leisten mit einer Tätowierung verziert und das berufliche Standing hoch – doch als allein stehende Frau einen Mietvertrag zu bekommen, das ist auch im bourgeoisen, modernen Nistanasi ein schwieriges Unterfangen. So bleibt der eventuell geplante Ausbruch ein unfertiger: nur mit Hilfe ihres Ehemanns kommt sie zu einer neuen Wohnung – und diese liegt, wie man in der letzten Einstellung des Films erfährt, genau gegenüber der alten.

Deshora

Das Setting könnte nicht unterschiedlicher sein, doch im Inneren von Helena sieht es ähnlich aus wie bei Ela. In „Deshora“ (Barbara Sarasola-Day, Argentinien) herrscht statt großstädtischer Moderne ländliche Idylle. Mit ihrem Ehemann bewohnt Helena eine Tabakfarm in der Provinz Salta im Nordwesten Argentiniens. Während Ernesto mit der Tabakernte, Hahnenkämpfen oder Ausflügen ins nahegelegene Bordell beschäftigt ist, hat Helena nicht allzuviel zu tun. Sie reitet gern und interessiert sich für Musik und Literatur, doch die sozialen Kontakte beschränken sich auf den gelegentlichen Besuch bei Isidora, einer alten Frau, die ihr neben Tees und Kräutern vor allem eins gibt: das Gefühl von Geborgenheit. Wie auch bei Ela und Can ist auch hier der Sex allenfalls für den Mann ein Vergnügen. Die Befriedigung der Frau – allenfalls Nebensache. Eine zusätzliche Last ist der unerfüllte Kinderwunsch von Helena und so wandelt sie durch den Tag mit stets trauriger Miene, jedoch ohne sich ein einziges Mal zu beklagen. Als Zuschauer möchte man sie geradezu schütteln und sagen: Schrei' ih an, deinen versoffenen, alten, rücksichtslosen Typen, setz dich auf dein Pferd und reite davon! Brisanz kommt in die ganze Geschichte mit dem Auftauchen Joaquins, Helenas jungem Cousin. Von da an entwickelt sich eine unheilvolle Dreiecksgeschichte, bei der beide Ehepartner ein starkes Verlangen nach dem gutgebauten Jüngling verspüren. Sexuelle Andeutungen, voyeuristische Spiele, ein bisschen Gefummel: Die Anwesenheit des Cousins bringt zunächst etwas Feuer in die erlahmte Paarbeziehung – doch zu viel mehr als einem Kuss kommt es nicht. Am Ende muss Joaquin dran glauben, denn Ernesto kommt nicht zurecht mit seinem Begehren nach einem Mann und greift zur Flinte. Man ahnt es: Helena wird auch hierzu schweigen, ihrem Mann weiterhin eine fürsorgliche Ehefrau sein die ihm den schmerzenden Rücken mit Salbe einschmiert und auf einige wenige Momente gestohlenen Glücks hofft.

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Im deutschen Film „Freier Fall“ (Stephan Lacant) ist Katharina Schüttler in ihrer Rolle als Bettina ebenfalls passiv-abwartend. Hochschwanger ist nicht mehr alles so rosig, wie das zu Anfang der Beziehung gewesen sein mag. Zwar ist sie immer noch sehr verliebt in ihren Marc (brillant gespielt von Hanno Koffler), doch sie nimmt es ihm schon übel, dass er sie dazu überredet hat, in sein Elternhaus zu ziehen. „Wenn du den Kleinen dann mal öfter bei Oma und Opa abgeben kannst, wirst du noch froh drüber sein“ - was soll sie da auch erwidern, vielleicht ärgert sie sich ja noch mehr über sich selber, dass sie einfach so nachgegeben hat. Als Marc auf einer beruflichen Fortbildung seinen neuen Kollegen Kay kennen lernt und Gefühle für ihn entwickelt, ist auf einmal nichts mehr, wie es war. Zumindest in Marcs Leben. Denn während er zum ersten Mal gleichgeschlechtlichen Sex hat, sich Pillen auf Electroparties einschmeisst und seine Gefühle Achterbahn fahren, bleibt Bettina passiv. Marcs Handy klingelt zu den unmöglichsten Zeiten: Bettina spitzt die Ohren, aber selbst falls sie das geflüsterte „Ich kann jetzt nicht reden“ gehört haben sollte, gibt sie sich mit einer lapidaren Erklärung zufrieden. Er, einst Sportmuffel, geht von nun an auch im strömenden Regen joggen (in Wahrheit: Sex im Wald mit Kay), antwortet ausweichend, kommt frühmorgens mit Alkoholatem nach Hause – und was tut Bettina? Sie ist misstrauisch und heult, aber meist leise und allein. Erst als ein Augenschließen nicht mehr möglich ist, haut sie auf den Tisch. „Ich will, dass du heute Abend raus aus der Wohnung bist.“ So stark bleibt sie nicht lange und auch Marc, mittlerweile Vater geworden, scheint seine aus den Fugen geratene Welt wieder in die kleinbürgerliche Ordnung bringen zu wollen. So sitzt Bettina eines Abends wieder zu Hause, als wäre nichts gewesen – und so wäre die Geschichte auch weiter gegangen, wäre am Ende nicht Marc derjenige gewesen, der seinem Herzen folgt und zu seiner Homosexualität steht.

Ela, Helena und Bettina: drei Frauen, drei Schicksale, dreimal apathisches Gefangensein in der Unfähigkeit, die eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Ein deutliches Gegenprogramm zu den starken Frauen in Christiane Lötsch's Portrait „Frauen, die aus der Reihe tanzen“.

Fotos: Berlinale Filmstills

European Shooting Stars 2013 – Mikkel Boe Følsgaard

Interview: Christiane Lötsch // Fotos: Katarzyna Świerc

Ein Shooting Star mit jungenhaftem Charme. Der Däne Mikkel Boe Følsgaard begrüßt im lässigen Karohemd und einem offenen Lächeln die Journalisten im Hôtel de Rome. Seit er 2012 den Silbernen Bären als bester Schauspieler im Film "Die Königin und der Leibarzt - Eine königliche Affäre" gewonnen hat und der Film eine Oscar-Nominierung für den Besten fremdsprachiger Film bekommen hat, wird der 28jährige auf dem europäischen und internationalen Filmmarkt heiß gehandelt.

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Mikkel, wie ging es nach Deinem großen Erfolg letztes Jahr für Dich weiter?
Nun, ich habe endlich meinen Abschluss an der Statens Teaterskole in Kopenhagen gemacht. Zwei Tage, nachdem ich den Silbernen Bären gewonnen hatte, war ich wieder zurück in meinem Alltag in der Filmschule.

Jetzt bist Du zurück. Was hat sich seit der letzten Berlinale für Dich geändert?
Ich stehe dieses Jahr viel mehr im Rampenlicht. Letztes Jahr konnte ich mich hinter der Filmcrew von "Die Königin und der Leibarzt - Eine königliche Affäre" verstecken, dieses Jahr stehe ich voll im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber ich liebe dieses Festival. Immer wenn ich hier bin, gewinne ich einen Preis. Ich mag es, Preise zu gewinnen. Aber das ist nicht der Grund, warum ich Schauspieler geworden bin.

Was waren denn Deine Beweggründe, diesen Beruf zu ergreifen?
Ich will Geschichten erzählen, Charaktere spielen, das Publikum unterhalten. Ich will Menschen durch die Person, die ich spiele, berühren. Im Grunde ist es mir egal, ob ich in einem Sci-Fi-Film, einem Wikinger-Film oder einem historischen Film mitspiele, Hauptsache ich bin von der Geschichte fasziniert.

Wer sind Deine schauspielerischen Vorbilder?
Daniel Day Lewis, Leonardo Di Caprio oder Brad Pitt sind Schauspieler, die nicht nur vorgeben, jemand anderes zu sein, sondern es auf der Leinwand wirklich sind. Mein Mentor Mads Mikkelsen (Gewinner des Europäischen Filmpreis 2011) hat mir geraten, weiterhin Theater zu spielen, weil man dort eine Geschichte von Anfang bis Ende spielen muss. Der Arbeitsprozess ist nicht so zerhackt wie beim Filmemachen.

Würdest Du auch einmal in einer Hollywood-Produktion mitspielen?
Klar, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt!

Gäbe es dann nicht ein Sprachproblem?
Es stimmt, wenn ich auf Englisch drehe, überlege ich die ganze Zeit, ob meine Aussprache richtig ist. Als Schauspieler sind wir aber Weltenbürger, wir müssen andere Sprachen lernen, wenn es die Rolle erfordert. So wie ich auch Klavierspielen lernen würde, wenn es im Drehbuch steht. Wenn ich in einer anderen Sprache spreche, fühle ich auch anders. Das muss beim Zuschauer ankommen.

Denkst Du, dass die European Shooting Stars Dir dabei helfen können?
Also, wenn man daran denkt, dass Daniel Craig auch ein Shooting Star war, dann ja. Es ist aber immer eine Frage des Glücks. Man kann so gut sein wie man will, man braucht immer Glück oder aber den Willen, dass man sich sein Glück selbst schaffen kann.

Videointerviews mit den 10 European Shooting Stars auf cineuropa.org und nisimasa.com

European Shooting Stars 2013 – Saskia Rosendahl

Interview: Christiane Lötsch / Fotos: Katarzyna Świerc

Saskia Rosendahl ist der jüngste European Shooting Star. Dass die zierliche, zarte Hallenserin erst 19 Jahre alt ist und vor einem Jahr ihr Abitur geschafft hat, vergisst man sofort, wenn man ihren überlegten Kommentaren über ihre erste Hauptrolle im Film „Lore“ (Cate Shortland, 2012) hört und in ihre bestechend klaren Augen schaut.

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So jung und schon Filmschauspielerin - Wie bist Du dazu gekommen?
Ich tanze schon seit Jahren Kinderballett der Oper in Halle, da war es nicht weit zur Schauspielerei. Die Tochter meiner Ballettlehrerin hat mir Namen von Schauspieler-Agenturen gegeben, bei denen ich mich beworben habe. Dann kam das E-Casting für die Rolle der Lore und dann ging alles ganz schnell. Ich bin da so „reingestolpert“.

Wie hast Du Dich auf die Rolle der Lore vorbereitet?
Ich habe zwei Wochen lang intensiv mit der Regisseurin Cate Shortland diskutiert; die Familie ihres Mannes ist in den 30er Jahren von Deutschland nach Australien ausgewandert. Ich habe auch Filme gesehen, BDM-Lieder angehört. Nach einer Weile habe ich mich dann so gefühlt, wie Lore sich gefühlt haben muss. Ich konnte ihren Gedanken folgen, was nicht heißt, dass ich komplett verstanden hätte, warum sie an die Nazi-Ideologie geglaubt hat.

internet0010.jpg und nisimasa.com

Und wie hat sich das angefühlt?
Es war paradox. Mein Körper hat sich zum Beispiel gewehrt, den Hitler-Gruß zu machen. Da musste ich in gewisser Weise gegen mich selbst arbeiten. Dann habe ich verstanden, dass man die Figur, die man spielt, nicht beurteilen darf, weil sich das Spiel dann nicht mehr natürlich anfühlt. Es war schwierig für mich, das alles hinter mir zu lassen. Ich musste mir sagen: Das gehört zu Lore nicht zu mir und für sie ist es normal, also tue ich es einfach!

Kannst Du Dir vorstellen, ein Leben lang Schauspielerin zu sein?
Ich bin noch auf der Suche. Nach dem Abitur wollte ich mir eigentlich die Zeit nehmen, mich auf die Suche zu machen, aber dann kamen Drehs oder Veranstaltungen wie diese dazwischen. Das hat die Zeit so zerhackt. Inzwischen denke ich, es wäre gut, noch ein zweites Standbein zu haben. Man kann ja zwischen den Drehpausen nicht immer nur zu Hause herumsitzen. Man weiß nie, was als nächstes kommt. Und wovon soll ich mal eine Familie ernähren? Aber ich weiß, dass ich Schauspielern möchte. Als nächstes kommt der nächste Film, in dem ich mitspiele, in die Kinos: „Wir sind jung, wir sind stark“ (Regie Burhan Qurbani). Da freue ich mich schon drauf!

Videointerviews mit den 10 European Shooting Stars auf cineuropa.org und nisimasa.com

Berlinale 2013: Tag 6 - Demokratisch auch während des Medienrummels

Zu jedem Filmfestival gehören auch Autogrammjäger dazu. Am sechsten Tag widmete sich Cafebabel den Personen, die stundenlang auf eine Unterschrift warten. Wir haben das Mikrofon zur anderen Seite des roten Teppichs gerichtet, uns unter die Menge hinter dem Hotel Grand Hyatt Berlin gemischt und zwei Berliner Autogrammjäger zu ihrer Leidenschaft befragt. Hier ein kleiner Einblick.

Cafebabel: Guten Abend!
Autogrammjäger: n’Abend!
Cafebabel: Wir sind vom europäischen Onlinemagazin Café Babel und würden Ihnen gerne ein Paar fragen stellen.
Autogrammjäger: Naja, ich würde erst gerne mein Autogramm bekommen. Eben habe ich ein Interview gegeben, dann aber kein Autogramm mehr bekommen.
Cafebabel: Ach so, Sie wollen ein Autogramm...
Autogrammjäger: Was wollen Sie ja allet wissen?
Cafebabel: Na, z.B. von wem Sie ein Autogramm bekommen möchten?
Autogrammjäger: Na, von den Stars!
Cafebabel: Die Stars kommen also hier aus dem Hotel raus und gehen langsam genug, dass man von denen ein Autogramm bekommen kann?
Autogrammjäger: Tschja, manchmal schreiben sie und manchmal halt nich’.
Cafebabel: Und welche Stars erwarten Sie heute?
Autogrammjäger: Na, z.B. Morricone.
Cafebabel: Ach so, stimmt. Der soll ja heute zur Pressekonferenz erscheinen. Und wann kommt er.
Autogrammjäger: Nachher.
Cafebabel: Sie haben aber schon den besten Platz.
Autogrammjäger: Ja, ich hoffe, dass er hier um die Ecke kommt und hier schreibt. Hoff’ ich.
Cafebabel: Danke! Wir wünschen Ihnen noch viel Glück damit.

Die Fans

Cafebabel: Hallo! Und Sie, auf welche Stars warten Sie?
Autogrammjägerin: Auch auf Ennio Morricone.
Cafebabel: Und wie läuft das?
Autogrammjägerin: Wir wissen gar nicht was passiert. Die Stars kommen hier an und Morricone ist ja nicht mehr der jüngste mit seinen 84 Jahren. Wir können nur hoffen, dass er Autogramme schreibt. Ich kann versuchen, ihn Italienisch anzusprechen und ich kann nur hoffen. Mehr kann ich nicht machen.
Cafebabel: Und funktioniert das normalerweise? Haben Sie schon Erfahrung damit?
Autogrammjägerin: Es hängt davon ab, wann die Herrschaften hier ankommen. Manchmal kommen sie zu spät an und werden dann von den Agenten gedrängt: “Rein, rein, rein!” Manchmal gibt es aber auch Stars, die sich durchsetzen und sagen: “Nein! Ich schreibe hier erstmal Autogramme. Da sind meine Fans. Die haben mich zu der Größe gebracht.” Weil wir sind ja die Fans, gucken die Filme und hören die Musik. Man muss eben sehen, wie die Situation ist und ob man Glück hat.
Cafebabel: Sie werden hier also zwei mal Ihr Glück probieren: einmal beim Ankommen der Stars und einmal beim Verlassen.
Autogrammjägerin: Also beim Verlassen, da werde ich nicht mehr hier sein, weil ich dann zum roten Teppich am Friedrichstadt Palast gehe.
Cafebabel: Und was gibt es da?
Autogrammjägerin: Da ist dann dieser Film von dieser Pressekonferenz.
Cafebabel: Und Karten haben Sie sich schon besorgt.
Autogrammjägerin: Nein, ich habe keine Karten. Das ist so schwierig. Man kann ja nur eins. Entweder sammelt man sich ein Autogramm oder man geht in den Film.
Cafebabel: Sie scheinen sich Ihre Strategie gut überlegt zu haben. Sind Sie das erste mal dabei?
Autogrammjägerin: Nein, ich mach’ das schon viele, viele Jahre.
Cafebabel: Sind Sie Berlinerin?
Autogrammjägerin: Ja, ich bin Berlinerin und habe mir extra Urlaub genommen.
Cafebabel: Viel Erfolg! Wir hoffen es gelingt mit dem Autogramm.
Autogrammjägerin: Danke schön!

Auch heute gab es wieder einen Babelinale Moment of the Day. Alles geschah nur kurz vor und kurz nach einem Filmscreening. Im Friedrichstadt-Palast wurde links vom Cafebabel-Team auf englisch gesprochen, rechts auf italienisch gelesen, vorne wurde auf deutsch diskutiert und hinten auf polnisch geplaudert. Und nach der Vorstellung ging es weiter: Es wurde schließlich auch auf französisch und spanisch über den Film geredet. Ganz klar: Cafebabel!


Text: Christina Heuschen und Daniel Tkatch
Interviews: Daniel Tkatch
Foto: Katarzyna Swierc

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