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Das bewegte Berlin

Das war wichtig in dieser Woche.

Walk Off The Earth: Internetsensation dank Youtube

Die Gruppe Walk Off The Earth ist ein Kind des Universums YouTube. Mit der Veröffentlichung ihres Albums und anschließender Europatournee will die kanadische Band jetzt beweisen, dass sie mehr zu bieten hat als ein paar hundert Millionen Klicks. Das war uns fünf Fragen wert.

WOTEWer das Phänomen Walk Off The Earth (kurz auch WOTE) verstehen will, muss in die Welt von YouTube, Facebook und Co. eintauchen – eine Welt, in der man Musik erschafft, anhört, kopiert, remixt, weiterleitet, teilt, auf seine Pinnwand postet. Anders ausgedrückt: ein existentielles Problem für Musiker und das heutige Musikbusiness. Oder: Alltag für eine ganze Generation. Oder: ein Rätsel für viele andere. In dieser Welt ist Rewind Youtube Style 2012 ein Versuch, die Milliarden von Posts, die 2012 auf der Videoplattform veröffentlicht wurden, zusammenzufassen. Das erste Bild des Medleys: fünf junge Musiker, vier Männer und eine Frau, die auf einer einzigen Gitarre spielen. (Bevor sie von Psy, dem südkoreanischen Musiker, der den ganzen Planeten die Gangnam Style Choreografie hat tanzen lassen, zerschmettert wird.) WOTE 2.0

Das bekannteste Video von Walk Off Th Earth (das ist die Band, von der wir hier sprechen wollen) – eine Coverversion des Songs „Somebody that I used to know“ des belgischen Sängers Gotye – hat 150 Millionen Klicks auf YouTube erhalten. Das Video hat sich nicht nur wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet, sondern hat auch die Karriere der kanadischen Band ordentlich in Schwung gebracht: Gianni, Sarah, Joel, Mike und Ryan sind seitdem Stars im Web 2.0. Klicks über Klicks, Posts über Posts: Der weltweite Hit „Someone like you“ von Adele oder „One day – Reckoning Song“ der schon zum Kult gewordene Remix eines Stücks von Asaf Avidan sind Beispiele für erfolgreiche Coverversionen von WOTE, die heute nicht mehr im Radio, sondern auf dem iPod gehört werden. Markenzeichen dieser Videos: alten Hits eine neue, oft überraschende Gestalt geben.

Trotz kleiner Schmuckstücke wie der Clip zu Red Hands sind die eigenen Titel von Walk Off The Earth (noch?) nicht der Renner auf YouTube. Aber die fünf vielseitig begabten Musiker wollen seitdem von ihrer neuen Bekanntheit profitieren, um dies zu ändern. Im Anschluss an die Veröffentlichung ihres neuen Albums R.E.V.O.(Realize Every Victory Outright) ist die Band gerade auf einer dreiwöchigen Europatournee. Wir haben Sarah und Joel ein paar Stunden vor ihrem Auftritt in Berlin getroffen.

cafebabel.com: Wie sah eure Karriere vor eurer mittlerweile berühmten Videoversion von „Somebody that I used to know“ aus?

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WOTE: Wir haben alle bei unterschiedlichen Gruppen gespielt, bevor wir uns zusammen getan haben. Wir hatten auch davor schon YouTube genutzt und haben zum Beispiel regelmäßig Konzertvideos online gestellt. Gianni hat dann unsere Art zu arbeiten verändert und uns ermutigt, Videos extra für YouTube zu produzieren. Direkt auf die Fans zuzugehen und zu sehen, wie sie reagieren.

cafebabel.com: Was denkt ihr über all die Veränderungen, die euch dieses Video beschert hat?

„Wenn Millionen von Usern auf Youtube sind, warum nicht dorthin gehen?“

WOTE: Wir fanden Gotyes Song einfach großartig und haben großes Potential darin gesehen. Wir haben unser Video in einer einzigen Nacht gedreht, in einer sehr langen Nacht. Und am nächsten Tag war alles anders. Dieses Video hat uns viele Türen geöffnet. Im Musikbusiness brauchst du den perfekten Mix – vorher weißt du nie so genau, ob ein Song erfolgreich sein wird oder nicht. Was uns sehr gefreut hat, war die positive Reaktion von Gotye auf Twitter. Das trägt dazu bei, einen Teamgeist im Internet unter den verschiedenen Künstlern zu entwickeln.

cafebabel.com: Welche Rolle spielen seitdem soziale Netzwerke oder YouTube in eurer Karriere?

WOTE: Es ist wichtig, die Nachrichten zu lesen, zu antworten und mit den Fans in Kontakt zu treten. Joel ist mehr der Twitter-Typ, Gianni eher Facebook. Aber wir sind alle jeden Tag online. Als ich jünger war, hätte ich gerne Kontakte zu meinen Lieblingskünstlern geknüpft und mich als Teil einer ‚Bewegung‘ gefühlt. Ich glaube, dass ist heute sehr wichtig für eine Karriere. Vor allem muss man auch dort sein, wo die Fans sind. Wenn Millionen von Usern auf YouTube sind, warum nicht dorthin gehen? Aber es ist sehr wichtig für uns, unsere Fans auch wirklich zu treffen, ihre Reaktionen auf unseren Konzerten zu sehen.

cafebabel.com: Wie schafft ihr es seitdem, auch eure eigenen Songs in den Vordergrund zu rücken?

WOTE: Drei Monate lang haben wir jeden Tag an unserem neuen Album gearbeitet. Das ist heute unsere Herausforderung: von ‚Diese Band, die Gotye mit einer einzigen Gitarre gecovert hat – wer sind die?‘ zu ‚Diese Band mit den super originellen und coolen Stücken – wer sind die?‘ In Kanada hat das mit unserem Song Red Hands schon mal ganz gut geklappt. Denn nur weil man mit einem Titel berühmt geworden ist, heißt das noch lange nicht, dass die Karriere geritzt ist. Es gibt haufenweise Bands, die mit einem Song einen Hit landen und gleich danach wieder in der Versenkung verschwinden.

cafebabel.com: Habt ihr nicht Angst, keine einzige CD an ein Publikum zu verkaufen, dass sich so gut mit den Möglichkeiten des Internets auskennt?

WOTE: Es wird immer Leute geben, die CDs kaufen. Für dieses Album haben wir das Beste gegeben und in Toronto ist es momentan der Renner. Solange wir können, werden wir jedenfalls CDs machen. Sicher wird es immer den ein oder anderen geben, der sich unsere Musik nicht auf legalem Wege beschaffen wird. Aber wir vertrauen unseren Fans. Und solange sie zu unseren Konzerten kommen und unsere T-Shirts kaufen, ist das auch in Ordnung.

von Sebastien Vannier Übersetzung: Kathrin Faltermeier

Fotos : ©Erin O’Connell & Shawn Van Daele; Videos: “Somebody that I used to know” und “Red Hands” (cc)ThisIsVonni/YouTube

Man spricht deutsch: Zur Englisch-Deutsch Debatte unter Berliner Expats

In den englischsprachigen Berlin-Blogs und auf Twitter ist eine Debatte darüber entflammt, ob Berliner Zugezogene Deutsch lernen sollten oder nicht. Ist es arrogant, sein Berliner Leben ausschließlich auf Englisch zu gestalten?

deutsch1_man Man spricht deutsch - Satire aus dem Jahr 1988 mit Gerhard Polt

Julie Colthorpe ist vor 12 Jahren Berlin gezogen und spricht mittlerweile richtig gut deutsch. Im englischsprachigen Stadtmagazin Exberliner echauffiert sie sich in ihrem Artikel „Sorry, no German“ darüber, wie mehr und mehr Zugezogene die deutsche Sprache weder beherrschen, noch vorhaben, diese jemals zu lernen. Auslöser für ihren Ärger über „arrogante Drückeberger“ und deren „blasierte, nonchalante Attitüde“ war der Besuch in einem australischen Restaurant in Neukölln, in dem man mit Deutsch nicht sehr weit kommt, da dort ausschließlich Englisch gesprochen wird. Colthorpes Ratschlag an diejenigen, die meinen, dass sie sich auf ihre englischen Sprachkenntnisse verlassen können: „Go back to your mum for some extra nursing or an extra kick in the Arsch. Or better yet, move to Brandenburg and see how far your English gets you there.”

Keine Schimpftirade ohne Gegenrede – es dauerte nicht lang, da meldete sich im mit Lauren Oyler eine ebenfalls in Berlin lebende Expat zu Wort. Die Amerikanerin in Neukölln fühlt sich angegriffen und erwidert das Feuer im überlin Blog. Ihre Meinung: „Nur weil man vielleicht ein paar Wikipedia-Artikel lesen und ‚der, die, das‘“ korrekt benutzt, ist man noch lange kein kultureller Kreuzzügler, der die Welt besser macht.“ Für Oyler machtdie Expat-Culture einen wichtigen Teil der Berliner Kultur aus.

Seitdem liefern sich die Leser von Exberliner und überlin einen Schlagabtausch über Twitter. Und ich als Follower beider Magazine gebe nun auch meinen Senf zum #deutschrant dazu.

Ich bin Deutsch-Muttersprachlerin, auch wenn ich das dialektfreie Hochdeutsch erst während meines einjährigen USA-Aufenthalts gelernt habe. Seit drei Jahren wohne ich mit einer Holländerin in einer Wohngemeinschaft. Mittlerweile kann sie ganz passabel deutsch, doch ihr Freundeskreis ist fast ausschließlich englischsprachig. Vergleichen wir mal eine typische Josie- mit einer typischen Sandra-Woche und schließen daraus, was Josie und ihre Expatfreunde dabei alles an Berliner Kultur verpassen.

deutsch2_helga Helga Beimer - für mich die Mutter der Nation, für Josie und ihre Expat-Freunde eine Fremde

Montag: Josie* war Schwimmen, im Stadtbad Neukölln. Ich habe „Rach der Restauranttester“ auf RTL gesehen. Entgangen sind ihr dabei so schöne deutsche Worte wie „Mehlschwitze“ oder „Rotweinsud.“

Dienstag: Josie ist auf einer Ausstellungseröffnung in Schöneberg, es geht darin um „Möglichkeiten, sich aufzulösen, ohne zu verschwinden“. Ich verschwinde am Dienstagabend ebenfalls, und zwar in die Badewanne. Dazu gibt’s zwei Folgen Lindenstraße per Stream. Josie verpasst damit ein Stück meiner Jugend, denn die Endlosserie ist seit 20 Jahren fester Bestandteil meines Lebens. Für mich ist’s undenkbar, nicht zu wissen, wer Mutter Beimer, Vasily oder Momo sind – meine Mutter würde Josie dafür aber eher beglückwünschen, denn für sie bedeutet die Seifenoper schon seit jeher den Untergang der deutschen Unterhaltungskultur.

Mittwoch: Josie geht auf ein Konzert von Prinz Pi. Der rappt auf Deutsch und Englisch, Josie gefällt‘s, vielleicht auch gerade weil sie nicht alles versteht. Ich habe es mir mit dem „Spiegel“ auf der Couch gemütlich gemacht. Schnell überblättere ich die lästigen Poltik-Seiten und versenke ich mich in „Warum Stress dick macht“ (und beiße dabei nicht ohne Schuldbewusstsein in einen Schoko-Erdnuss-Riegel.) Da gibt’s nix zu diskutieren: die Englischsprachige bekommt heute mehr Berlin-Kultur ab als ich.

Donnerstag: Josie bekommt Besuch von zu Hause. Die drei Jungs sind schon bestens vernetzt hier, deshalb geht es auf eine WG-Party. In Neukölln. Natürlich. Ich gehe zu meinem Freund. Der hat ein Pay-TV Abo und deshalb läuft Fußball, auf allen Kanälen. Auch hier entgeht Josie nicht viel – obwohl: Benfica zerlegt Leverkusen und dabei könnte sie einige schöne deutsche Schimpfwörter lernen. Freitag, Samstag, Sonntag: Wochenende. Das verbringen wir meist ähnlich. Wir gehen in die gleichen Bars, zusammen oder getrennt, wir mögen die gleichen Drinks, wir haben danach den gleichen Kater sowie die gleiche Ausrede, nicht ins Fitnessstudio gehen zu können (zu kalt/zu schwach/zu weit).

Das Fazit? In einer typischen Woche sieht es tatsächlich meist so aus, dass Josie mehr rumkommt und neue Locations ausprobiert oder mehr Leute kennenlernt als ich. Das mag damit zu tun haben, dass ich den Großteil des Winters ein Dasein als träge Couch-Potato friste, das liegt aber auch an der Eigenart des Expat-Lebens: viele Menschen, die gemeinsam fremd an einem Ort sind erschaffen sich zusammen ihre eigene Kultur.

deutsch3_kiz Die provokanten Deutschrapper K.I.Z.




Es ist klar, dass das rein englischsprachige Expat-Life ein anderes ist als das Leben im deutschsprachigen Freundeskreis, mit Tatort schauen, Diskussionen über K.I.Z.-Lyrics und Wortwitzen zum Thema Schwaben-Bashing und Pferdefleischskandal (Josie findet „Gaultaschen“ überhaupt nicht witzig. Ich könnte mich immer wieder darüber kaputtlachen.) Viele Expats sprechen kein Deutsch, weil sie es eben nicht müssen - „harsche, ökonomische Realität“ nennt das Lauren Oyler. Und das ist ihr gutes Recht. Übrigens genauso, wie es das gute Recht eines Australiers ist, in seinem Berliner Restaurant das Menü nur auf Englisch zu schreiben oder wie ein schwäbischer Bäcker in Prenzlauer Berg seine Brötchen „Weckle“ nennen darf.

Neulich hat mich Josie um Hilfe gebeten, als es um einen Brief von der Krankenkasse ging. Ein genervtes „Learn German!“ ist mir da auf einmal rausgerutscht – Toleranz funktioniert eben doch nur so lange, bis es für einen selbst unbequem wird. Dass Julie Colthorpe sich aber durch ihre englischsprachigen Mitmenschen, die kein Deutsch lernen wollen, belästigt fühlt, ist dann doch etwas überheblich. Ich hätte da eine Idee, wie das wieder auszubügeln wäre: Liebe Frau Colthorpe, übersetzen Sie diesen Artikel doch in ihre Muttersprache. Damit ihn auch die arroganten Drückeberger verstehen können. Denn das würde mich, und sicher auch Josie, sehr glücklich machen. Thank you!

Fotos: lindenstrasse.de, filmstarts.de, royalbunker.de

*Name geändert.

Portrait #1 Djerdj Horvat: In Serbien könnte ich auf diesem Gebiet nicht promovieren, weil es das dort gar nicht gibt

Bei der letzten Babel Academy in Brüssel entstand die Idee einer Gesprächsreihe mit jungen Menschen, die sich aus beruflichen Gründen entschieden haben, in ein anderes Land innerhalb Europas (nicht nur der EU) zu gehen, dort zu leben und zu arbeiten. So werden die Wege der Young Professionals heute, in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, auf Cafebabel verfolgt und aus erster Hand beschrieben. Es soll eine Reihe journalistischer Portraits entstehen, die die Migration in alle Richtungen - Ost-West, Ost-Ost, West-West und auch mittendurch -darstellen. Das Projekt wurde von den Cafebabel Teams aus Berlin, Belgrad, Budapest und Warschau entworfen. Redaktionen aus weiteren Ländern sind jetzt auch mit dabei. Hier kommt das erste Gespräch unserer Reihe.

Fragen: Karolina Golimowska; Fotos: Sebastian Walther

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„Mit kleinen Gesten etwas bewegen“

Text: Christiane Lötsch // Fotos: Jorin Eichhorn, Alex Yair von Pentz und Torsten Seidler

Am Ende des Euroadtrips 2012 steht eine Dönerimbissbude in Berlin-Neukölln. Jorin aus Deutschland, Alex aus Italien und Ondrej aus der Tschechischen Republik bestellen sich türkische Pizza, Falafel und Döner - Jorin sogar auf Türkisch. Alex und Jorin lernten sich in Istanbul kennen und hatten gemeinsam die Idee, einen Hitchhikingtrip quer durch Europa für einen guten Zweck zu starten – von Istanbul nach Berlin, durch 17 Länder, mit Menschen aus zehn Nationen. Einzige Bedingungen: Ein account bei couchsurfing.org und die Bereitschaft, freiwillig in den Sommerferien zu arbeiten.

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Wie war das Konzept Eurer Reise?
Jorin: Wir wollten gemeinsam mit anderen Menschen aus Europa reisen, uns trampend fortbewegen, in jeder Stadt eine Streetart-Aktion starten und mit den gesammelten Spendengeldern wohltätige Organisationen in Albanien und Bosnien-Herzegowina unterstützen. Wir haben die Reise nicht nur für uns gemacht, sondern für die Öffentlichkeit.

Alex: In jede Stadt, in die wir gekommen sind, haben wir die örtlichen Behörden um Erlaubnis für unsere Aktionen gefragt; die meisten waren einverstanden. Wir haben Wände bemalt, Kunst-Workshops für Kinder gegeben und sind so ins Gespräch mit den Einwohnern gekommen. Wir konnten ihnen erklären, welches Ziel wir verfolgen und haben unglaublich viel materielle oder finanzielle Unterstützung erfahren: Malmaterial, Essen, Schlafplätze, eine Leiter, Licht!

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Klingt nach interessante Schlafplätzen… Alex, Jorin, Ondrej: Ja, wir haben in Zelten, Stadtparks, Studentenwohnheimen, auf Balkonen und Tankstellen, in verlassenen Fabriken, auf Campingplätzen, an Stränden, in besetzten Häusern geschlafen.

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Das wechselnde Team, mit dem ihr gereist seid, setzte sich aus 10 Nationalitäten zusammen. Wie hat das geklappt?
Jorin: Es war schwieriger als gedacht. Das Schwierigste war, den Leuten klar zu machen, dass wir ihre aktive Hilfe brauchen und wir nicht im Urlaub sind. Wir waren Reisende, keine Touristen. Wir kommen nicht einfach irgendwo hin, legen uns an den Strand und gehen abends in einen Club. Wir interessieren uns für die Menschen vor Ort. Das hat nicht jeder sofort verstanden.

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Was habt Ihr dazu gelernt?
Alex: Wie man mit Leuten zusammenarbeitet, die man nicht kennt. Wie man sie überzeugt, das zu tun, was man vorhat. Wie man die Fähigkeiten von jedem Einzelnen erkennt und sie für das Projekt einsetzt. Künstlerisch war es toll, auf großen Häuserwänden zu malen. Vom Papier zur Wand!

Jorin: Ich habe ganz praktische Dinge gelernt: eine Website zu programmieren, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing für das Projekt zu machen, auf Leute zuzugehen. Es gibt immer einen Punkt, an dem es nicht weitergeht. Den muss man einfach überwinden. Rückschläge und Kritik einstecken, Dinge laufen lassen und Vorstellungen anpassen. Die Dinge einfach tun und eine Lösung finden.

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Was waren Eure persönlichen Highlights auf dem Trip?
Alex: Wenn die Leute glücklich über mein Wandbild waren, die Anerkennung von ihnen zu bekommen. Dieses Gefühl der Befriedigung kann man nicht kaufen.
Jorin: Als ich das erste Mal merkte, dass wir ein Team sind, das funktioniert und produktiv arbeiten kann.

Ondrej: Die kleinen Dinge, die wir getan haben, sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Als wir mit Kindern in der Straße gespielt haben, die Leute angehalten haben und mit uns ins Gespräch gekommen sind. Man kann durch kleine Gesten schon viel ändern.

Während des Trips sind 825 Euro zusammengekommen. Es müssen noch viel mehr werden! Spendet hier: http://www.betterplace.org/de/groups/euroadtrip2012?utm_campaign=widget&utm_content=euroadtrip2012&utm_medium=iframe_widget&utm_source=group_widget

Berlin Festival 2012: Zwischen Enya und Riot Grrrls

von Julia Korbik

„Ich will nicht nach Berlin“ singen Kraftklub bekanntermaßen im gleichnamigen Lied – beim Berlin Festival am 7. und 8. September waren die Jungs aus Chemnitz dann aber doch dabei. So unbeliebt scheint die Hauptstadt also nicht zu sein.

50 Bands spielten auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof auf vier Bühnen. Wer nach den diversen Auftritten immer noch nicht genug hatte, konnte sich zum Weiterfeiern in den Club XBerg begeben. Dort warteten Szene-Größen wie Metronomy und Simian Mobile Disco.

Erste Station am Freitagnachmittag: Die Isländer von Of Monsters and Men. Sänger und Gitarrist Ragnar Þórhallsson ähnelt von weitem einem kleinen Michelin-Männchen in Jeanshemd. Ähnlich gemütlich ist der Auftritt: Bis zum Charterfolg „Little Talks“ tut sich nicht viel auf der Bühne oder im Publikum. Es ist ja auch erst früher Nachmittag. An der Live-Umsetzung der Songs gibt es nichts zu meckern, da ist alles stimmig und schön. Of Monsters and Men sind eben keine Partyknaller.



Gleiches gilt für Daughter, das musikalische Projekt von Elena Tonra – allerdings im negativen Sinne. Paul Lester vom englischen Guardian erkennt in Daughter den Sprössling von Enya und Brian Eno. Nach einem kurzen Live-Eindruck bleibt die Erkenntnis: Vielleicht ein bisschen zu viel Enya. Tonra schafft es tatsächlich, einen Song wie „Run“, der generell schon langsam und beschaulich ist, live noch langsamer und beschaulicher zu spielen. Gähn.

„A crazy sexy party“


Lieber ab zu Friends, den viel gehypten Newcomern aus Brooklyn, New York. Denen gefällt es in Deutschland so gut, dass Sängerin Samantha Urbani gleich erklärt, nach Berlin ziehen zu wollen. Der Großteil der Herren im Publikum hätte sicher nichts dagegen, weiß Miss Urbani doch mit kokettem Hüftschwung, ausgefallenem Outfit und großem Wunsch nach Publikumsnähe zu begeistern. Als Gegenpart zum exaltierten Auftreten der Leadsängerin zupft Lesley Henn unbeeindruckt ihren Bass – die coolste Frau des Festivals. Der Sound ist allerdings alles andere als beeindruckend: Kann Urbani überhaupt singen? Von den ersten drei Songs versteht  man nahezu nichts. Wie sich im Laufe des Tages jedoch herausstellt, ist das mitnichten die Schuld der Band – der Sound im Hangar 4 und 5 ist einfach schlecht. Egal, mit der Aussicht auf „a crazy sexy party“ wie Urbani quietschfidel verspricht und tollen Songs wie „I’m his girl“ oder „Friend crush“ lässt sich das ertragen.

A propros „friend“: „My best friend is you” hieß Kate Nashs zweites Album – von dem spielt die Sängerin auf dem Berlin Festival aber nur genau einen Song („Kiss that grrrl”), und den auch noch in einer gitarrenlastigen Punk-Version. Vom niedlichen Mädchen mit Pony-Frisur und schwingenden Kleidchen hat Nash sich mittlerweile zum Riot Grrrl gewandelt und für ihre Live-Auftritte eine komplette Frauen-Band am Start. Die Entwicklung hin zum Punk und zu hartem Gitarrenrock war in Ansätzen schon auf dem zweiten Album erkennbar und Nash führt sie live konsequent fort. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Nash neue Töne ausprobiert: Der Song „Underestimate the girl“, den die Sängerin im Juni in weniger als 24 Stunden schrieb und aufnahm.

Der Großteil des Festival-Publikums in Berlin hat davon offensichtlich nichts mitbekommen oder die leisen Andeutungen des Richtungswechsels auf „My best friend is you“ nicht verstanden – eine Gruppe von Teenagern fotografiert lieber sich selbst, anstatt der Band zu lauschen („Das klingt irgendwie komisch“), andere flippen zwar nahezu aus, als Nash ins Publikum kommt („Kaaaaaate!“), finden die Musik aber trotzdem eher bescheiden („Zu Hause höre ich ihre Musik gerne, aber was die hier macht…“). Wiederum andere sind nur noch schlecht gelaunt („Das ist echt scheiße.“). Kate Nash selbst muss das nicht stören. Sie legt eine tolle Show hin und treibt die Techniker in den Wahnsinn, die während des gesamten Auftritts das Mikro mal hier, mal dorthin stellen müssen. „You’re too far away from me“, findet Kate nämlich, klettert von der Bühne und stellt sich samt Gitarre direkt vors Publikum.Wie heißt es in „Underestimate the girl“ so schön: „Everybody play, play it so safe. No one wanna mess, mess with the rules”. Miss Nash hat offensichtlich beschlossen, die sichere Schiene des Indie-Pop-Rock hinter sich zu lassen.

Der Hanger kocht, die Leute tanzen


Um 20 Uhr wird mit der Kanadierin Claire Boucher alias Grimes ein weiterer Act Opfer des schlechten Sounds in den Hangars. Während ihr Auftritt in einem kleinen Club wahrscheinlich wunderbar funktioniert hätte, ist die Festival-Bühne dann doch zu groß für die Senkrechtstarterin. Trotz honigsüßer Stimme, eingebettet in mystisch-elektronische Klänge – irgendwas fehlt. Also lieber zum Hangar 5, wo Frittenbude die Bühne übernommen haben. Nach wenigen Minuten ist klar: Die Jungs hätten sich auch als Sub-Headliner vor den Killers super gemacht. Der Hangar kocht, die Leute tanzen. So muss das sein.



Das erste Highlight am Samstag ist Kimbra: Die Neuseeländerin wurde als Gotyes Duettpartnerin in „Somebody that I used to know“ bekannt und zeigt live, dass sie auch alleine eine großartige Künstlerin ist. Angetan mit einem kurzen, wippendem Kleid entfaltet Kimbra ihr ganzes Stimmvolumen (und das ist beachtlich). Die Band hat offensichtlich viel Spaß am Spiel und kleidet Songs wie „Settle down“ in ein ganz neues Klang-Gewand. „I hope I’ll see you again soon“, sagt Kimbra am Ende atemlos ins Mikro. Dieser Wunsch könnte sich erfüllen, hat die Sängerin doch gezeigt, dass sie über einen eigenständigen Stil und Songs mit Ohrwurm-Potential verfügt.

Auf der Main Stage lassen derweil Bonaparte auf sich warten, erst mit über zehn Minuten Verspätung schafft es das bunte Kollektiv auf die Bühne. Zur Entschädigung gibt es dafür gleich den Hit „Anti Anti“, gefolgt von einigen neuen Stücken und „My horse likes you“ vom gleichnamigen zweiten Album. Wo Bonaparte spielen, da muss man sich um die Stimmung keine Sorgen machen. Auf der Bühne tanzen Menschen in den seltsamsten Verkleidungen, im Publikum ebenfalls.

Das Kontrast-Programm bieten die schwedischen Schwestern von First Aid Kit. Einfach hinsetzen und zuhören, wie Klara und Johanna Söderberg mit ihren Stimmen und Gitarren aus Alltagsgeschichten hinreißende Songs machen. Authentisch und unaufgeregt ist das und eine Stunde Spielzeit viel zu wenig.

Exzessives Schlagzeug-Solo


Als Sub-Headliner stehen an diesem Abend die Lads von Franz Ferdinand auf der Bühne. Die Band begnügt sich damit, ein, zwei neue Stücke zu spielen (elektronischer, weniger eingängig) und gibt dem Publikum ansonsten, was es will: „Take me out“, „Do you want to“ oder „This fire“. Der Auftritt endet mit einem exzessiven Schlagzeug-Solo, an dem sich sämtliche Band-Mitglieder beteiligen.

Was bleibt nach zwei Tagen Berlin Festival? Tolle Musik, ein relativ angenehmes (und internationales) Publikum und ein übersichtliches Gelände. Punktabzug gibt es für den teilweise wirklich miesen Sound, der so manches gute Lied zerstörte. Die Frage ist außerdem, wie viel Sinn es macht, eine doch eher ruhige Band wie Sigur Rós vor dem Headliner The Killers spielen zu lassen, während Bands wie Bonaparte oder Frittenbude diesen Part viel besser erfüllen könnten. Sei’s drum. Wenn die Veranstalter es hinkriegen, weiterhin eine so große Dichte an hörenswerten Musikern und Musikerinnen zusammen zu bekommen, kann man sich vielleicht bald auf ein dreitägiges Berlin Festival freuen.

Artikel von Julia Korbik

Foto Credits: ©Thore Barfuss

Refugee Protest March von Würzburg nach Berlin am 8. September

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Am kommenden Samstag will sich eine Karawane von Flüchtlingen von Würzburg in Bewegung setzen, um den "Refugee Protest March" in Richtung Berlin auf sich zu nehmen. Warum sie das tun und was man sich dadurch erhofft, erzählte uns Daniel vom Förderverein Karawane Berlin, der den Aufruf zur Aktion gestartet hat.

Was genau ist der Refugee Protest March? Der Protestmarsch ist eine weitere Aktion des Refugee Strikes, der seinen Anfang in Würzburg März diesen Jahres nahm und mittlerweile zu einer bundesweiten Protestwelle angestiegen ist. Der Streik, das heißt konkret die Verweigerung der Lebenbedingungen in den Geimeinschaftsunterkünften: "Wir leben lieber in Zelten auf der Strasse als zurück in die unmenschlichen Zustände der Lagerunterkünfte zu gehen" war der Ausgangspunkt für viele Protestzelte von Flüchtlingen in verschiedenen Städten Deutschlands. Es ist Teil einer Selbstermächtigung, sich die Menschenrechte die Deutschland systematisch verwehrt, zurückzunehmen. Der Protestmarsch ist nun eine gemeinsame Aktion aller Protestzelte zusammen von Würzburg nach Berlin zu wandern und aktiv das Recht auf Bewegungsfreiheit zu praktizieren. Die Residenzpflicht, denen Flüchtlinge in Deutschland unterliegen und sie unter Strafe zwingt in einen Landkreis zu bleiben, wird kollektiv gebrochen und gemeinsam verweigert. Es geht auch darum, die Isolation, die Fragmentierung aller Flüchtlinge zu brechen. Der Marsch wird daher auf seinem Weg nach Berlin etliche Flüchtlingslager besuchen, die Menschen dort informieren und im besten Falle zum Anschluss bewegen. Vor dem Hintergrund, dass Menschen jahrelang in diesen unmenschlichen Zuständen schikaniert und isoliert in Lagerunterkünften leben müssen gibt es keinen anderen Weg als sich dagegen aufzulehnen. Das ist die Botschaft an alle Flüchtlinge: Der Protest zeigt, wenn wir gemeisam kämpfen können wir die Lagerunterkünfte verweigern, die Residenzpflicht brechen und uns unsere Menschenwürde selbst wiederanneignen. Der aktuelle Protest ist nur ein Teil des Widerstandes gegen die unerträglichen Zustände für Flüchtlinge in Deutschland und wird erst zu Ende sein wenn alle Forderungen für ein menschenwürdiges Leben erfüllt sind.

Was erhofft ihr euch von der Aktion? Dass der aktuelle Protest und Widerstand ein Beispiel für alle Flüchtlinge sein wird, ihr Schicksal kämpferisch in die eigenen Hände zu nehmen.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnet Ihr? Es werden einige Hundert in Berlin erwartet, zusätzlich zu dem Marsch werden auch Busse organisiert und in den Lagern rund um Berlin mobilisiert.

Wir organisieren sich die Flüchtlinge und Marschteilnehmer untereinander? Die Residenzpflicht und das System der Erniedrigung und die damit einhergehende Angst machen es nicht einfacher sich untereinander zu organisieren. Es ist daher beindruckend wie mutig und entschlossen sich der Protest bundesweit ausgebreitet hat. Es ist die Arbeit von vielen selbstorgansierten Gruppen und Personen die seit Jahren daran arbeiten Netzwerke auszubreiten und sich zu organisieren, und manchmal brauch es eine entschlossene Aktion wie in Würzburg, die die Menschen motiviert aktiv zu werden.

Welche Schwierigkeiten könnten dabei auftreten? Es ist immer schwer, viele verschiedene Menschen, mit verschiedenen politischen Entwicklungen und Erfahrungen zusammenzubringen, aber es eint uns der gemeinsame Gegner, der uns allen das würdige Leben unmöglich macht.

Welche Unterstützung benötigt ihr, wer kann wie helfen? Wir brauchen Unterstützung auf allen Ebenen. Aktivisten sind aufgerufen sich an der Organisation und Unterstützung zu beteiligen. Kommt vorbei im Protestzelt am Heinrichplatz, Berlin Kreuzberg oder wendet euch an die entsprechenden Strukturen in den anderen Städten. Auch Sach- und Geldspenden werden dringend benötigt.

Welche Schlagzeile würdest Du gern am Tag nach dem Protestmarsch lesen? Uns geht es um die Erfüllung aller unserer Forderungen : - Stopp aller Abschiebungen - Aufhebung der Residenzpflicht - keine Lagerunterbringung - schnellere Bearbeitung der Asylanträge, denn Asyl ist Menschenrecht und kein Privileg - Aufhebung des Arbeitsverbots ...für die Schlagzeilen sind andere zuständig!

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Weitere Informationen und Hinweise zur Möglichkeit zu spenden unter www.refugeetentaction.net & asylstrikeberlin.wordpress.com

Lasst unser Internet in Ruhe, oder wir nehmen Euch Eure Faxgeräte weg! ACTA-Aktionstag in Berlin

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Ja, es ist Fußball-EM und keine Sorge, wir kommen noch dazu. Bevor wir Euch aber über die schönste Nebensache der Welt informieren, ein paar Eindrücke von der ACTA-Demo, die an diesem Samstag auch in Berlin stattfand. Worum geht’s? „Keinem ist bewusst, was ACTA bedeutet“, so unlängst der Medienjournalist Marcus Beckedahl auf jetzt.de. Kurze Erklärung also: Die Abkürzung steht für Anti-Counterfeiting Trade Agreement und ist ein geplantes, multilaterales Abkommen, mit dem Standards im Kampf gegen Urheberrechtsverstöße und Produktpiraterie geschaffen werden sollen. Was zunächst eigentlich gut und richtig klingt, ist schnell auf harsche Kritik gestoßen. Die ACTA-Gegner sehen die Meinungsfreiheit sowie den Datenschutz in Gefahr und prangern vor allem die fehlende Transparenz beim Vorgehen an – verhandelt wurde außerhalb der Öffentlichkeit, selbst große Organisationen wie die Welthandelsorganisation und das EU-Parlament saßen nicht am Verhandlungstisch, sondern wurden nur im Nachhinein vor vollendete Tatsachen gestellt.

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Am 9. Juni wurde weltweit zu Protesten gegen das Abkommen aufgerufen. In Berlin sind dem Aufruf geschätzt ein paar wenige hundert Menschen gefolgt und sind von Friedrichshain nach Mitte gezogen. Dass das, wie auch beim vergangen Aktionstag im Februar im Vergleich zum Beispiel zu Polen oder auch unseren österreichischen Nachbaren eher wenig ist, ist schwer zu erklären – vielleicht liegt's tatsächlich daran, dass vielen noch nicht bewusst ist, dass ACTA auf das Leben jedes einzelnen Einfluss haben könnte, wie Beckedahl mutmaßt – vielleicht liegt's aber auch daran, dass es der Tag war, an dem das erste EM-Endrundenspiel mit deutscher Beteiligung stattfand. Deutschland hat das Abkommen übrigens noch nicht unterzeichnet – es wird aber erwartet, dass Frau Merkel ihr 'go' gibt. Die ACTA-Gegner können also nur noch auf eine Unterschriftenverweigerung des EU-Parlaments hoffen.

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re:publica 2012 -- "Ich adde Deine Mudda!"

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Viele bunte Jutebeutel mit vielen lustigen Sprüchen laufen samt ihren Besitzern noch bis zum 4. Mai über das ausufernde Gelände der STATION am Gleisdreieck. Die internationale Netzgemeinde trifft sich seit 2007 auf der re:publica zum gemeinsamen Austausch über die digitale Zukunft. 2012 erreicht sie zahlenmäßig ihren Höhepunkt: 4000 Teilnehmer, 200 Stunden Programm, 350 Redner aus der ganzen Welt.

Zum Beispiel der smarte Mark Kaigwa aus Kenia, der eindrucksvoll demonstriert, wie mobile Telefone, Websiten und Apps die wirtschaftliche Lage von Afrika verbessern können. Dienstleistungen, die Geld ohne dazwischen geschaltete Vermittler transferieren und Gebühren sparen. Apps, mit denen sich Bauern über ihre schwangeren Kühe austauschen können, eine Website, die Hilferufe nach Konflikten und Krisen veröffentlicht.

Kommt daher die Idee, eine Stellwand mit ausgedruckten tweets in die Mitte der Halle zu stellen?

Die meisten Zuhörer am Mittwoch hat Jörg Heidrich, der juristisch fundierte Hinweise gibt, wenn Unternehmen Blogger wegen unliebsamer Berichterstattung einschüchtern wollen. Auch Cindy Gallop bekommt Spontanapplaus, wenn sie von ihren Versuchen berichtet, die Menschen persönlich zu kontaktieren, die diskriminierende oder frauenverachtende Kommentare auf YouTube oder YouPorn hinterlassen. Auch eine tolle Idee: freizugängliche Bildungsmöglichkeiten im Netz, die die Saylor Stiftung verfolgt. Politisch engagiert zeigt sich die Initiative Netz gegen Nazis.

Wer übrigens sagt, dass Blogger nur übergewichtige Nerds sind, die einmal im Jahr hinter ihrem Bildschirm hervorkommen, irrt: Die Crowd ist männlich wie weiblich, jung und alt, hübsch und weniger hübsch anzusehen. Am Ende des Tages läuft Sascha Lobo vorbei. Hier fühlt man sich zu Hause.

CIVIS Online Medienpreis für cafebabel.com

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Foto: CIVIS Medienstiftung

18. April 2012 -- Aufregung in den Cafebabel-Redaktionen in Paris und Berlin. cafebabel.com gewinnt den CIVIS Online Medienpreis 2012 von der CIVIS Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa.

Die Jury lobte die Vielsprachigkeit des Magazins, die freche Aufmachung und aktuelle Berichterstattung, aber vor allem die Möglichkeit der Partizipation für junge Europäer. Es ist also auch Euer Preis, vielen Dank für Euer Engagement, ohne das cafebabel.com nicht existieren würde!

Nachdem Alexandre Heully und Katharina Kloss den Preis stellvertretend für das Netzwerk im Bundeskanzleramt entgegengenommen hatten, feierte das Berlin Team bis spät in den Abend weiter...

Gesucht und gefunden - der Sinn des Lebens

Cafebabel-Autorinnen Sandra Wickert und Juliette Vazard sind in Berlin und Lodz auf die Suche nach dem Sinn des Lebens gegangen - in Form einer Stadtralley. Lest selbst, was sie dabei erlebt haben!

"Theo, wir fahr'n nach Lódz" von Sandra Wickert
"Looking for the Meaning of Life… in Lodz" von Juliette Vazard

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31.03.2012 - join and play! Witzige Stadtralley in Berlin und Lodz (PL)

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Lust auf neue Herausforderungen, grenzüberschreitende Bekanntschaften, Einblicke in fremde Städte und eine Menge Spaß? Wir laden euch herzlich zur einzigartig, innovativen Stadtralley Einblicke / Światopo(d)glądy!

Am Samstag, 31. März von 12-16 Uhr wird in Berlin und Lodz gleichzeitig zum ersten Mal eine Stadtralley in zwei Städten ausgetragen. Meldet euch in einem Zweierteam an und vereint eure Kräfte mit einem Team aus der jeweils anderen Stadt! (Dieses könnt ihr selbst wählen oder Euch auf die Zuteilung der Organisatoren verlassen.) Nutzt gemeinsam eure Kreativität, Phantasie und schließlich Kenntnisse eurer Stadt, um – dank den bereitgestellten Kontaktmöglichkeiten – gemeinsam städtische Verstecke aufzusuchen, Rätsel zu lösen und Herausforderungen zu meistern. All das, ohne sich aus der eigenen Stadt zu rühren! Dabei gewinnt ihr nicht nur Einblicke in die jeweils andere Stadt, sondern lernt auch deren Einwohner kennen. Das Ziel: Dem auf die Spur zu kommen, was alle finden möchten, obwohl niemand ganz sicher sagen kann, was und wo das ist: Dem Sinn des Lebens!

Weitere Infos und Anmeldung unter www.topografie.pl/einblicke Findet uns auf Facebook: www.facebook.com/events/179576412156536/

Eine gemeinsame Veranstaltung von Alumni der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Łódzkie Stowarzyszenie Inicjatyw Miejskich "Topografie" und Departament Gier. Das Projekt wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung im Rahmen ihrer Alumni-Arbeit gefördert. Weitere Förderer sind Uniwersytet Łódzki und Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Medienpartner des Projekts ist das europäische Online-Magazin www.cafebabel.com.

Krieg im Grünen – Besuch auf dem Flugplatz Gatow

von Christiane Lötsch

Berliner Flughäfen liegen immer am Ende einer U- oder S-Bahnlinie und sind grundsätzlich nicht unter einer Stunde zu erreichen; das hat Sébastien im ersten Teil der Serie über Berliner Flughäfen bereits erkannt. Wo Gatow genau liegt, konnte ich auch als gebürtige Berlinerin nicht sagen. Irgendwo im Westen jedenfalls und zwar Jott Wee Dee (= Janz Weit Draußen). Erst die BVG-Online-Anfrage half weiter: Am Ende der U7 und dann noch zwanzig Minuten Fahrt mit dem Bus über die Felder von Kladow.

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Flugplatz Gatow, Foto: Christiane Lötsch

Dass es in Gatow einen Flughafen gibt, hielt ich anfangs für einen Scherz, aber ein Freund bestätigte mir, dass, wenn man von Tegel startet und Richtung Süden fliegt, eine merkwürdig leere Fläche mitten im Nirgendwo zu sehen ist. In Berlin sieht man so manche Merkwürdigkeit, aber die knallharte Recherche ergab: Die Nationalsozialisten hatten den Flugplatz in Gatow 1935 erbaut; Hitler weihte ihn sogar persönlich ein und nutzte ihn regelmäßig für seine Flüge nach Berchtesgaden. Nach dem Zweiten Weltkrieg tauschten die Russen den Flughafen gegen andere Gebiete mit den Briten, die dem Ort den klingenden und vollkommen übertriebenen Namen „Royal Airforce Gatow“ gaben. Während der Luftbrücke 1948 brachten die britischen Alliierten über Gatow bis zu tausend Tonnen Lebensmittel pro Tag in die Stadt. 1994 zogen die Alliierten aus Berlin ab – der Flugplatz wurde geschlossen.

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Flugplatz Gatow, Foto: Christiane Lötsch

Und heute? An einem klirrend kalten aber sonnigen Sonntagnachmittag haben sich viele Gatower aus den umliegenden neu gebauten Einfamilienhäusern aufgemacht und nutzen die breiten Rollbahnen zum Roller fahren, Inlinern und Skaten. Fehlen nur noch bunte Drachen, ein paar Picknicker und Fußballer und ich würde mich nicht anders als in Tempelhof fühlen. Aber nein, einen entscheidenden Unterschied gibt es. Auf den Landebahnen reihen sich idyllisch Roland-Raketen-Abwehrsysteme neben Kampfflugzeugen aller Art, die bei meinem (männlichen) Begleiter sofort Kindheitsträume wahr werden lassen. Ihre geheimnisvollen Namen MIG, SUCHOI oder MIL-MI verweisen auf ihre russischen Herstellerfirmen. In Halle 7 zeigt das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr ihre Geschichte von den Anfängen bis Heute, und ich frage mich, warum um alles in der Welt die Bundeswehr hier so viel Platz zur Selbstbeweihräucherung bekommt. Sogar ein Soldat in Uniform ist abkommandiert, dem geneigten Besucher Fragen zum „Massiven Vergeltungsschlag“ oder zum „Gleichgewicht des Schreckens“ zu beantworten.

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Flugplatz Gatow, Foto: Christiane Lötsch

Mir wird mulmig. Denn so niedlich die Helikopter, Jagdbomben und Raketenabwehrstationen in der Nachmittagssonne auch aussehen, so tödlich waren sie, als sie noch im Einsatz waren. Davon sieht man in den Ausstellungen jedoch nichts. Die Sonntagnachmittags-Idylle ist dahin.

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