To content | To menu | To search

Eurovision

EUROVISION 2011 - Verliererin bei den Buchmachern, Gewinnerin der Herzen?

Lucía Pérez (Foto: Sandra Wickert) Lucía Pérez (Foto: Sandra Wickert)

Arme Lucía Pérez: bei den Buchmacherin ist sie diejenige, die als Verliererin des Song Contests 2011 gehandelt wird. In der Tat ist das Lied „Que me quiten lo bailao,“ mit dem die Galizierin für ihr Land antritt, mindestens diskutabel. Ein happy-clappy, nichtssagendes Lied frei nach dem Motto „No brain, no pain.“ „Lasst mich alle nur tanzen, dann bin ich glücklich,“ so die Grundaussage. Dazu ein wirklicher „Oh oh oh oh“-Refrain, ungelenke Tanzbewegungen und eine dämliche Choreo. Spanien, das ist peinlich! In der Pressekonferenz reagiert die Sängerin allerdings extrem entspannt, als man sie mit den diesjährigen Wettaussagen konfrontiert. „Ich will gute Laune verbreiten, es ist ein positiver Song und die Wetten sind mir letztendlich egal. Es ist mir auch nicht wichtig, wie wir letztendlich abschneiden, sondern es geht darum, wie wir uns vor der Welt präsentieren.“ Darum geht es ja leider – dafür, dass in Südspanien gerade wegen Erdbenopfern getrauert wird, kann Lucía sicherlich nichts, aber auch ohne die Katastrophe wäre der Musikbeitrag eines Landes, das eine extrem vielfältige Musikszene sein Eigen nennt, unwürdig.

Die Sache verhält sich aber paradox, wenn man einmal Lucía nahe vor sich hatte. In der Pressekonferenz ringt sie auch den schärfsten Kritikern ein Lächeln ab, denn Lucía scheint tatsächlich hinter ihrem Lied zu stehen, sitzt strahlend und glücklich auf dem Podium und lächelt über Misstöne einfach hinweg. Mit so einer positiven Ausstrahlung gesegnet kann sich Lucía wahrscheinlich noch vor den ganz hinteren Plätzen retten. Singen kann sie, hat sogar eine Stimme die prima zur Movida-Bewegung des Madrids der Achtziger Jahre bewegen würde. Die Prognosen scheinen ihr dann doch nicht völlig egal zu sein – am Ende der Pressekonferenz trällert Lucía Pérez schnell noch mal den Refrain ihres Liedchens, unplugged und so herzergreifend, dass man ihr einfach nur die Daumen drücken muss.

Lucía Pérez auf der PK (Foto: Sandra Wickert)

EUROVISION 2011 - Don't believe the hype

Jedward (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)
Jedward (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)

„Größer als ABBA?“, „Konkurrenz für Lena“, „Wird Irland mit Jedward den ESC gewinnen?“

...so lauten nur einige der vielen Schlagzeilen, die das britische Duo „Jedward“ schon als diesjährige ESC-Gewinner sehen. 2009 wurden sie durch die britische Talentschow „The X Factor“ bekannt und polarisierten sofort. Simon Cowell hasste sie instinktiv, und bezeichnete es als ein „Desaster,“ wenn Irland mit ihnen den ESC gewinnen würde. Der mehrmalige Eurovisions-Sieger rechnet Jedward ebenfalls Siegchancen ein, da „sie nicht singen können.“

Andere wiederum sehen die eineiigen Zwillinge, die vor allem durch ihre Hochfrisuren und ihre schrillen Glamouroutfits ausfallen allerdings ganz oben in der Wertung. Vor allem die internationale Presse schob die Hypemaschinerie an, in dem sie den Bad Taste mal wieder als originell und somit cool gefeiert hatte. Wer Jedward nicht mag, der muss wohl extrem spaßfeindlich und spießig sein, so der allgemeine Tenor. Weit gefehlt. Bei der Generalprobe flippten nicht wenige der anwesenden Journalisten und geladenen Fans bei einigen Performances regelrecht aus, doch der Applaus für Jedward fiel mau aus. Schulterpolster, Akrobatik, eine Dose Haarspray pro Zwilling und ein offensichtliches Anbiedern an die schwule Community reichen wohl doch nicht aus, um über den billig komponierten Song und die schwachen, schrägen Stimmchen der beiden Iren hinwegzutäuschen.

EUROVISION 2011 - Wer eigentlich gewinnen sollte

Anna Rossinelli aus der Schweiz mit "In Love For A While"

Anna Rossellini (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)
Anna Rossellini (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)

Anna Rossinelli heißt die junge Dame aus der Schweiz, die am meisten Lena-Potential hat in diesem Jahr. Jung, extrem gut aussehend, daneben natürlich, bescheiden, und vor allem aber musikalisch: das ist das, was die Zauberhaftigkeit dieser ehemaligen Straßenmusikerin ausmacht. Bisher ein recht kleines Licht im Schweizer Musikbusiness arbeitete die zierliche Künstlerin neben ihrer Mitgliedschaft in einem Pop-Soul-Trio auch in der Behindertenbetreuung, als Kellnerin und als Unterwäschemodel. Ein wahres Märchen wäre das also, wenn Anna Rossinelli, die noch nicht einmal bei einem Label unter Vertrag ist, lenamäßig Europas Herzen im Sturm erobern würde. Zu ihrem ESC-Beitrag ist musikalisch auch nur Gutes zu sagen: Ein hübscher, eingängiger Song, eine reduzierte Performance, eine gewaltige und zugleich liebliche Stimme. Da hat die Schweiz ein richtig gutes Händchen gehabt dieses Jahr. Allerdings ist zu befürchten, dass Europa nach der Lenamanie vom lezten Jahr dieses Mal wieder etwas mehr Show und Glam möchte und Anna Rossinellis Beitrag dafür zu ruhig und nett ist. „Gschpür din Härzschlag,“ ohja Anna, das tun wir und unser Herz schlägt in diesem Jahr ganz sicher für unseren Nachbarn!

EUROVISION 2011 - Verliererprognose

Letzter: Griecheland: Loukas Giorkas feat. Stereo Mike: "Watch my dance"

Rock-Hip-Hop Crossover mit antikem Krimskrams: : Loukas Giorkas feat. Stereo Mike (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)
Rock-Hip-Hop Crossover mit antikem Krimskrams: Loukas Giorkas feat. Stereo Mike (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)

Schlimm, schlimm, was sich die Griechen da so ausgedacht haben. Hip-Hop-Rock-Crossover im Stil der Neunziger Jahre, wobei sich die Rap-Skills von Stereo Mike zuweilen auf unterem DJ-Bobo-Niveau befinden. Die folkloristische Komponente des Lieds ist kitschig und passt wie die Bühnendeko mit angedeuteten Säulen eher zum griechischen Dorflokal um die Ecke statt auf die Eurovisions-Bühne. Sorry, Griechenland, aber das wird wohl nix!

Vorletzer: Ukraine: Mika Newton: Angel

Ukrainische Elfe: Mika Newton (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)
Ukrainische Elfe: Mika Newton (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)

Mika Newton heißt eigentlich Oksana Stefanivna Hrytsay und versucht schon seit sechs Jahren, ihr Land beim ESC zu repräsentieren. In diesem Jahr hat sie es nun endlich geschafft und nachdem sie –sicherlich zur Überraschung einiger- durch das Halbfinale gerutscht ist tritt sie nun heute Abend mit „Angel“ an. Mika ist eine zauberhafte, zerbrechlich wirkende Elfe, aber das ist auch schon alles Gute, was man zum ukrainischen Beitrag erwähnen kann. Das Lied ist grauenvoll, eine opulente, kitschige Ballade, mit einem wirklich scheußlichen Refrain. Mehr als überflüssig, fast schon ärgerlich dieses Lied – da heulen Queen-artige Gitarren auf und die Drum-Machine untermalt das grauenvolle Keybord-Geklimpere. Zu Gute halten könnte man Mika noch, dass sie, trotz des englischen Titels, in ihrer Heimatsprache singt. Dieses Wohlwollen wird aber schnell zerstört, wenn man sich den Auftritt betrachtet, der durch die Sandmalereien der Gewinnerin von „Ucraine’s got talent“ im wahrsten Sinne des Wortes untermalt wird. Keine Frage, Sandmalerin Kseniia Simonova ist zweifelsohne begabt, aber dieser Side-Kick ist mehr als überflüssig reicht bei weitem nicht aus, um von der mäßigen Qualität des Songs abzulenken.

Vorvorletzter: Italien: Raphael Gualazzi: Madness of Love

Italiens Raphael Gualazzi (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)
Italiens Raphael Gualazzi (Foto: Pieter van den Berghe/EBU)

Eigentlich ein Grund zum Feiern, denn nach 14 Jahren Abstinenz ist Italien nun endlich wieder dabei als Teil der „Big Five.“ Der Beitrag, den Italien präsentiert, ist gar nicht wirklich schlecht, ein Sixties-Italo-Bossa-Jazz-Song, dem man musikalisch nichts ankreiden kann. Leider ist das Lied aber auch ein bisschen belanglos, so was hat man schon tausendmal gehört und reißt heute niemanden mehr vom Hocker. Ein netter Titel für einen Filmsoundtrack oder um einen Aperitivo musikalisch zu untermalen. Als Hauptunterhaltung allerdings absolut ungeeignet und zu langweilig dahinplätschernd.

EUROVISION 2011 - Welcome to Eurocity

Eurovision 2011 Düsseldorf

Es ist wieder soweit: Europa sucht wieder den Superstar! Wir sind für Euch dabei und bloggen live von Europas größtem Musikfestival. Von Backstage-Berichten über den neusten Gopssip bis zum großen Finale, wir informieren Euch üer die großen und kleinen Geschichten aus Düsseldorf.

Entries feed