Wieso, weshalb, warum?
Die Leidenschaft, mit der Menschen Musik machen, ist immer guter Stoff für einen Film. Weitab von den Befindlichkeiten und Konflikten, die in "Trip to Asia" verhandelt wurden, zeugt "Kinshasa Symphony" von der Leidenschaft, mit der Menschen alle Widrigkeiten überwinden, um klassische Musik von Beethoven, Händel, Mozart und Verdi zu spielen. Auch im Kongo.
Trailer "Kinshasa Symphony"
Warum sollte man 'Kinshasa Symphony' gesehen haben?
Um überkommene Stereotypen von Afrika loszuwerden. Um es einfach mal hinzunehmen, dass ein afrikanisches Orchester Beethoven spielt. Über ein japanisches Symphonieorchester wundert sich ja auch keiner mehr.

Schwächen:
Die Filmemacher Claus Wischmann und Martin Baer folgen den acht ausgesuchten Protagonisten manchmal zu beiläufig in heruntergekommene Wohnungen, zu teuren Eierverkäufern und anstrengenden Proben. Mehr Kontroverse – zum Beispiel, was die Beziehung zwischen Religion und Musik betrifft – wäre schön gewesen.
Sterne: 4/5
Klassische Musik erzeugt immer positive Emotionen, dazu der undbedingte Wille der Menschen trotz absurder Widerstände zu musizieren – ein ermutigender, hoffnungsvoller Film, weitab von europäischen Stereotypen über Afrika.
Kurz nach der Premiere:
Beim anschließenden Q&A gab es Standing Ovations für den Dirigenten und zwei seiner Musiker, die extra aus dem Kongo angereist waren.
Watching this film will make you want to
Die alte Querflöte aus der Kommode kramen und nach vergangenen traumatischen Situationen im Schulorchester endlich wieder “Eine kleine Nachtmusik” spielen. Alles ist möglich!
Text von Christiane Lötsch (live von der Berlinale 2010)


Stärken: Auf jeden Fall das Drehbuch, das auf dem gleichnamigen Buch von Dennis Lehane beruht. Innerhalb von 2 Stunden zieht es Euch in seinen Bann. Die Berliner wussten außerdem einen Deutsch sprechenden Leonardo DiCaprio zu schätzen.





Alle Anderen Liebe in Gefahr! In der psychologischen Studie "Alle Anderen", dem deutschen Berlinale-Wettbewerbsbeitrag der jungen Regisseurin Maren Ade, geht es um die Fragilität der Liebe. Ein junges Paar um die 30, Chris und Gitti, fährt in den Uralub nach Italien. An Handlung passiert nicht viel: Die beiden relaxen, albern rum, kochen, haben Sex, treffen Leute. Unter der bunten Oberfläche des Urlaubsalltags wird aber so manches emotionale Erdbeben ausgelöst. Zum Beispiel, wenn Chris eine berufliche Absage, von der er im Urlaub erfährt, dem ungeliebten Nachbarn unter die Nase reibt, sie aber Gitti verschweigt. Oder wenn Gitti Chris' schwache Seiten kritisiert und ungefragt Ratschläge austeilt, obwohl Chris einfach nur jemanden zum Zuhören braucht. Kurz: Kleine Katastrophen und dann vorschnelle Versöhnungen, die im Gefüge der Liebesbeziehung ihre Spuren hinterlassen.


Die Berlinale-Sonderreihe "Winter adè" zeigt in fünfzehn abendfüllenden Programmen deutsche und osteuropäische Spiel-, Dokumentar-, und Experimentalfilme, die im letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges entstanden sind. Einer dieser Filme ist die DEFA-Produktion "Winter adè" (1988) von Helke Misselwitz, ein wunderbarer Dokumentarfilm, der Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung in der ehemaligen DDR porträtiert. Die Reise beginnt in der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, aus deren Nähe Misselwitz stammt, und führt bis an die Ostsee. Die willkürlichen und zufälligen Begegnungen mit den Frauen ihres Films sind für die Filmemacherin auch eine Reise zu sich selbst: Misselwitz mischt sich unter ihr Volk und ihr gelingen dadurch Beobachtungen, die der Blick „von außen“ nie zustande bringen würde. Mit anderen Worten: Nur wer sich selbst bewegt, reist wirklich.
sich kein Gehör verschafften", so die Regisseurin im Publikumsgespräch am 13. Februar. Da ist zum Beispiel eine Werbeökonomin aus Berlin, die in einer modernen „Patchworkfamilie“ lebt und offen über weibliche Solidarität, Liebe und Beruf redet. Oder da sind zwei blutjunge Punkerinnen, die gegen Schule und Familie rebellieren und deren kreativer Style heutige Punks (wie soll man sie nennen?) fast schon blass aussehen lässt. Oder da ist diese unglaubliche 85jährige Dame, die im Rückblick auf ihr Leben so manches an Ehe und Familie kritischer sieht, als die Fassade der idyllischen Großfamilie es zunächst vermuten lässt.
Von
schritt über den roten Teppich: Tilda Swinton, die berühmte schottische Schauspielerin und Jurypräsidentin des diesjährigen Festivals. Jetzt steht sie da, kramt nach dem Puder und quatscht mit einer Freundin, bis sie schließlich eine der kleinen Kabinen ergattert. Gefolgt von neugierigen Blicken der Wartenden, die Tratsch und Filmgeflüster für einen Augenblick einstellen: Ein Star auf dem Klo?! Die Kabine neben Tilda wird jetzt frei. Eine Journalistin belegt sie mit siegessicherem Lächeln und schließt sich dort schnell ein. Zwar kein Interview, aber sie kann sagen: Ich habe neben Tilda Swinton gepinkelt!
Herrkunft, hat eine monatelange, strapaziöse Flucht aus dem kriegsgeschüttelten Irak hinter sich, als er im französischen Calais ankommt. Er hat nur ein Ziel: England. Dort will er einen Freund und dessen Schwester treffen, die er liebt. Nach gescheitertem Versuch, sich illegal per Lastwagen einzuschleusen, fasst er einen verzweifelten Entschluss: Er nimmt Schwimmunterricht, um den Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien schwimmend zu überqueren. Sein französischer Schwimmlehrer wird sein Freund und muß deshalb Mißtrauen, Vorurteile und schließlich Probleme mit den französischen Behörden in Kauf nehmen. Es sind nicht nur die Entbehrungen und Leiden des Flüchtlings Jamal, die diesen Film so traurig machen. Es sind auch die unmenschlich erscheinenden Gesetze der französischen Asylpolitik. Diese verbieten den Einheimischen zum Beispiel, den Flüchtlingen in irgendeiner Form zu helfen. Denn das könnte ja weitere anlocken, und eigentlich sind sie alles andere als "willkommen". Anhand einer persönlichen Leidensgeschichte wird in diesem Film das schwierige Thema der europäischen Asylpolitik vorgeführt - ein Thema , mit dem sich die Europäische Union und jeder, der sich "allzu sehr zu Hause fühlt", beschäftigen muß.
Dass guter Wille und Kampfgeist von Seiten der Lehrer nicht unbedingt mehr ausreichen, um die Schüler in Schach zu halten, stellt der Film anhand der völlig überforderten Lehrerin Sonia Bergerac (Isabelle Adjani). Diese greift angesichts ihrer tyrannischen Klasse eines Tages zur Pistole und führt radikale neue Unterrichtsmethoden ein. Die sonst so engagierte Lehrerin findet sich auf einmal in einer handfesten Geiselnahme wieder: Mit aufgeregten Polizisten und Politikern, panischen Eltern, einem hilflosen Schulleiter und voyeuristischen Medien, die sowohl entscheidend zum Verlauf der Handlung beitragen als auch als effektives politisches Druckmittel eingesetzt werden. Als die Situation schließlich eskaliert, sind es nicht nur die Revolverschüsse, sondern auch die vielen emotionalen Zusammenstöße aller Beteiligten, die den Film „Heute trage ich Rock“ zu einer ergiebigen psychologischen und sozialkritischen Studie werden lassen. Obwohl Lilienfelds Drama als extreme Zuspitzung zu sehen ist und die zahlreichen Nebenhandlungen streckenweise ablenken, ist er doch keine einfache Schuldzuweisung an die Schule als Institution. Denn in dieser Geschichte werden Bildungspolitiker, Lehrende und Schüler gleichermaßen in die Mangel genommen. Die Botschaft: Auch wenn die besagte Lehrerin mit Rock und Revolver nicht unbedingt besser unterrichtet – alle müssen dazu beitragen, die Schule wieder zum Ort des Lernens und nicht des Kampfes werden zu lassen.
Auf der Folie des Kosovo-Krieges inszeniert er die Geschichte des lebenshungrigen Kriegsopfers Adria (Rie Rasmussen), die zur Hälfte Serbin, zur anderen Hälfte Albanerin ist, und des Deserteurs Srdjan (Nicola Djuricko). Beide fliehen aus der Region des damals umstrittenen serbischen Kosovo und schlagen sich als Waffenschieber und Gauner durch. Der andere Teil der Handlung spielt in Marseille, wo Adria später und unabhängig von Srdjan als illegale Einwanderin lebt. Beide Ebenen - die traumatische Kriegsvergangenheit und Adrias Suche nach Alltäglichkeit und Liebe in Frankreich - werden im Film mit Flash-Back-Sequenzen verknüpft. Die harte Konfrontation von Trauma und Liebe, Leiden und Leidenschaft geht jedoch im Unterschied zu den zahlreichen im Film zum Einsatz kommenden Messern nicht wirklich unter die Haut: Der Film ist keine authentische Aufarbeitung der serbischen Kriegvergangenheit noch ist er eine psychologische Studie. Adria ist ein "Freak", die das Spiel der Gewalt und des Überlebens zwar perfekt gelernt hat, es aber in keinem Moment zu ihrem eigenen macht oder daran verzweifelt. Und wenn die ästhetisierte Heldin dann irgendwann in Highheels über Leichen steigt, fragt man sich: Ist das "Human Zoo" oder "Human Hell"? 


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