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Babel Berlin auf Deutsch

Die deutsche Hauptstadt im Herzen Europas.

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04

03

2008

Wofür Romantik? – Kauf ein Bett!

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Berlin ist das geistige Zuhause der Untentschlossenen. Der Ausdruck “Lebensabschnittsgefährte” fasst es recht gut zusammen. Diese wunderbar sperrige Bezeichnung für die bessere Hälfte passt wohl nirgendwo besser als in Berlin. Vergesst die Romantik: dies ist eine Stadt für die Beziehung des 21. Jahrhunderts – unverschämt unverbindlich, ständig wechselnd und gefangen im Hier und Jetzt.
Von Anna Patton

Mit ihrer berühmt-berüchtigt freizügigen Einstellung zum Thema „Sex“ – Berlin ist die stolze Heimat der Fetischpartys, Swinger Clubs, eines Schwulen- und eines Erotikmuseums – hält sich die Stadt nicht wirklich an das Bild des puritanischen Preußens. Und deshalb ersetzen und recyceln die Berliner ihre „Gefährten“ und bringen ihren Beziehungsstatus innerhalb eines Augenblickes auf den neuesten Stand. Kein Wunder, dass sich so viele Einheimische mit dem schrulligen „Museum of Broken Relationships“ identifizieren konnten, einer kroatischen Wanderausstellung, die 2007 mit großem Erfolg in Berlin Halt machte.

Diese Einstellung so sehr in der Gegenwart zu leben gilt nicht nur für Beziehungen. Sie scheint ebenso tief in die Art wie die Berliner leben und arbeiten eingedrungen zu sein. Die extrem lange Zeit, die sie in der Universität verbringen – in Deutschland beenden die Studenten ihr Studium im Durchschnitt mit 28 Jahren – und die hohe Arbeitslosigkeitsquote in Berlin rücken ein Sesshaft werden für die meisten „Twens“ in weite Ferne. Und selbst wenn jemand bereit ist, Wurzeln zu schlagen, gibt es keine Tradition in Deutschland sich eine feste Bleibe zu kaufen – ganz anders als bei den vom Gedanken an das eigene Heim getriebenen Londonern. Hier zahlt man eher für Jahre seine Miete, bevor man auch nur daran denkt, eine Hypothek aufzunehmen. Sich in Berlin niederlassen, gilt insofern nur so lange, wie es der Vertrag mit dem Vermieter zulässt. Dies ist eine weitere Ausstiegsklausel, die lebensverändernde Entscheidungen begünstigt.

Ich dachte, dass ich untypisch entscheidungsfreudig wäre, als ich mir beim Umzug nach Berlin ein eigenes Bett zulegte. Es fühlte sich wie eine Festlegung an; immerhin würde sich ein 140 Zentimeter breites Möbelungetüm nicht einfach zusammen mit einem Rucksack über die Schulter werfen lassen, sobald mir nach einem Tapetenwechsel wäre. Ich würde schon etwas bleiben müssen. Aber wie es scheint habe ich mich doch nicht wirklich festgelegt. Denn letztens wies mich eine Freundin darauf hin, dass diese 140 Zentimeter breiten Betten – irgendwo zwischen Doppel- und Einzelbett – genau für die Leute gemacht sind, die sich nicht zwischen einem Leben als Single und einem in festen Händen entscheiden können. Anscheinend habe ich mich bereits vom Berliner Lebensstil, sich nicht entscheiden zu können, anstecken lassen.

02

03

2008

Das bewegte Berlin: Der Finanzsenator

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In „Das bewegte Berlin“ nehmen Babel-Autoren rückblickend das Top-Thema der vergangenen Woche in der deutschen Hauptstadt auf. Die Sichtweise ist subjektiv, analytisch, kommentierend aber immer auch informierend. Schreibt uns in Kommentaren eure Meinung zum Thema.
Von Matthias Jekosch

Wenn Thilo Sarrazin (SPD) so weitermacht, kann er bald ein Büchlein mit seinen besten Sprüchen heraus bringen. Dick genug würde es werden, denn der Berliner Finanzsenator nimmt kein Blatt vor den Mund – dafür ist er bekannt. Doch in der letzten Woche häuften sich seine Bemerkungen, die von vielen empört aufgenommen wurden.

Erst Mitte Februar rechnete er Hartz IV-Empfängern vor, wie sie sich vom Essensgeld von knapp vier Euro am Tag ernähren könnten. Brötchen, Spaghetti und Leberkäse standen auf seiner Modell-Speisekarte, mit der er es sich mit der denkbar größten Wählergruppe für linke Parteien in Berlin verscherzte. Rund 660.000 Menschen leben in der Hauptstadt von staatlicher Hilfe. Selbst der eigenen Partei gingen die Äußerungen zu weit. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nannte eine solche Auflistung „völlig überflüssig“.

Doch Sarrazin wäre nicht Sarrazin, wenn er sich von der Kritik, die auf ihn niederprasselte, entmutigen lassen würde. Bei einer Veranstaltung in der rheinland-pfälzischen Botschaft in Berlin behauptete er, dass Schüler aus Bayern ohne Abschluss mehr könnten, als Berliner Schüler mit Abschluss. Nachdem die „Main-Post“ dies vor einer Woche vermeldete, stiegen alle Berliner Zeitungen auf die Äußerungen ein. Im Boulevard war gar von einem „Maulkorb“ für den Finanzsenator die Rede. Der SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Michael Müller, sagte gegenüber der Presse, er sei „erstaunt und verärgert“. Sarrazin verwies immer wieder darauf, dass die Äußerung im Scherz gefallen sei.

Die Aufregung war noch nicht abgeebbt, da machte Sarrazin wieder Schlagzeilen. In einer Fernsehsendung wollte er eigentlich sein Hartz-Menü entschuldigen und gab zu, dass es falsch war, seine Berechnungen „in einen Speiseplan zu gießen“. Doch dann äußerte er sich in erstaunlicher Weise für einen Finanzsenator über Schwarzarbeiter: „Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet.“

Der 63-jährige erhielt allerdings ebenso Zuspruch in Zeitungskommentaren. Auch Wowereit meinte, er sei "eine Art politischer Günter Netzer. Bisweilen genial, gerne etwas lauter, aber nicht jeden Tag teamfähig." Und entblößt man die markigen Worte als schlichte politische Aussagen, dann würden sicher mehr Leute dem Senator beipflichten. Übersetzt sagt der eigentlich nur: Transferleistungen zu erhöhen trägt nicht dazu bei, die Leute in Arbeit zu bringen. Die Qualität des Berliner Unterrichts fällt hinter den in bayerischen Schulen zurück. Jemand der schwarz ein Haus baut, bringt der Volkswirtschaft immer noch mehr, als jemand, der nichts tut. Auch wenn man dem nicht zustimmen muss - es hört sich schon ganz anders an.

27

02

2008

Was'n dit!? Bei Rot über eine Straße ohne Autos gehen?

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In dieser neuen Serie auf Babel Berlin fragen sich Deutsche und andere Europäer in Berlin regelmäßig in bestem Berliner Dialekt gegenseitig: "Was'n dit!?" Dabei spüren sie die kleinen und großen Merkwürdigkeiten der Stadt auf und versuchen herauszufinden, was es eigentlich damit auf sich hat. Heute war Sébastien Vannier in Mitte und hat dort ein ebenso typisch deutsches wie für Auswärtige verstörendes Phänomen beobachtet.
von Sébastien Vannier

Demnächst wird die Botschaft der USA an den Pariser Platz umziehen und damit zwangsweise einem Phänomen ein Ende bereiten, das sich besonders für einen Franzosen in Berlin zu beobachten lohnt. Bekanntermaßen machen unsere Freunde von der anderen Seite des Atlantiks ungern halbe Sachen, wenn es um die Sicherheit geht, und der abgesperrte Bereich rund um das derzeitige Gebäude der Botschaft in der Wilhelmstraße blockiert einen ganzen Häuserblock. Hieraus entsteht eine Situation, die für Berliner anscheinend ein ernsthaftes moralisches Dilemma auslöst.

Der Beobachtungsposten ist folgender: Wir befinden uns an der Ecke Neustädtische Kirchstraße/Unter den Linden, wobei erstere 50 Meter weiter mit den gewaltigen Betonblöcken zum Schutz der Botschaft versperrt ist. Um diese Neustädtische Kirchstraße zu überqueren, muss man eine Fußgängerampel benutzen. Nur zur Erinnerung: Ohne hier jemals mit Autoverkehr rechnen zu müssen. Es wäre zwar falsch zu behaupten, dort käme nie ein Auto. Während meiner aufmerksamen zwanzigminütigen Beobachtung konnte ich immerhin zwei Wagen vermerken. Der erste versuchte in die Straße abzubiegen, drehte aber sogleich wieder um. Der Fahrer hatte mit Sicherheit zu spät gemerkt, dass die Straße ja gesperrt ist und erst im letzten Moment realisiert, dass die Chancen auf ein erfolgreiches Attentat mit einem Polo gegen 4 Betonblöcke wohl eher gering sind. Das zweite Auto kam aus der Botschaft und schob sich unter den Augen der Wachbeamten langsam durch eine schmale Lücke neben den Betonklötzen. Zwei Autos in zwanzig Minuten. Selbst einsame Straßen in Bayern am Sonntagmittag sind belebter. Gleichwohl funktioniert die Ampel ausgezeichnet. Eine Minute Rot, 30 Sekunden Grün, eine Minute Rot, 30 Sekunden Grün… Doch das eigentlich Interessante dabei ist nicht, den Straßenverkehr zu beobachten – oder besser, den nicht vorhandenen Straßenverkehr – sondern vielmehr die erstaunliche Energie, mit der die Passanten der Versuchung widerstehen, bei Rot die Straße zu überqueren.

Ort des Geschehens: Die Kreuzung vor der amerikanischen Botschaft.

In Frankreich ist das Gesetz der Straße folgendes: Ich gehe über die Straße, wenn die Gefahr eines tödlichen Unfalls höchstens 80% beträgt. In Paris dürfen es 90% sein. Ich an meiner Straßenecke beobachte dementsprechend fasziniert, wie gewissenhaft und geduldig die Berliner warten, bis das kleine Männchen auf Grün springt und sie gehen können. Im Namen der Objektivität muss man feststellen, dass es einige Waghalsige gibt, die dem Verbot trotzen. Man sieht, wie sie erst einmal zögerlich einen kleinen Schritt nach vorne machen, sich noch mehrmals vergewissern, dass es auch wirklich kein Autofahrer wagt, in die Betonblöcke hineinzurasen, um dann im Laufschritt die Straße zu überqueren. Dabei versuchen sie, die inquisitorischen Blicke der wartenden Passanten auf der anderen Straßenseite, so gut es geht zu ignorieren. Wenn einer dieser Abenteurer den großen Sprung geschafft hat, sind unterschiedliche Reaktionen zu beobachten. Manche nehmen ihr Herz in beide Hände und sagen sich, wenn mich jemand anmeckert, dann hab’ ich wenigstens nicht angefangen, und machen sich auf den Weg. Andere, neidisch gegenüber diesem selbstvergessenen Mut, machen einen Schritt – trauen sich dann aber doch nicht. Die meisten aber bleiben stoisch stehen und verachten, heimlich oder nicht, die unverbesserlichen Gesetzesbrecher.

Bleibt die Frage: Wie kann man diesen offensichtlichen kulturellen Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen, hier fast die Karikatur davon, erklären? Warum sind die Deutschen so obrigkeitshörig und sei es nur gegenüber einer roten Ampel? Die Antwort folgt im nächsten Teil der Serie.

24

02

2008

Filmkritik: "Mary" von Abel Ferrara

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Der Film "Mary" von Abel Ferrara feierte am Mittwochabend Premiere in Berlin, obwohl er zum Beispiel in Frankreich und anderen Ländern bereits auf DVD erschienen ist. Die Kinovorführung bietet dennoch die Gelegenheit, sich in die Irrungen und Wirrungen des Glaubens zu vertiefen. Ob religiöser Film oder Film über Religion – gemeint ist Mary jedenfalls offensichtlich als Antwort auf große kontroverse Produktionen wie “Die Passion Christi” von Mel Gibson oder Ron Howards Dan Brown-Adaption “Der Da Vinci Code”.
von Sébastien Vannier

"Mary" ist die Geschichte dreier Personen, deren Wege sich auf Ihrer jeweiligen Suche nach dem wahren Glauben kreuzen. Als erstes ist da die Titelfigur, Mary Palesi (Juliette Binoche), die gerade die Rolle der Maria Magdalena in einem Film über das Leben Christi mit dem Titel “Dies ist mein Blut” des Regisseurs Tony Childress (Mathew Modine) gespielt hat. Mary ist dermaßen eingenommen von ihrer Figur, die sie gerade gespielt hat, dass sie sich entscheidet, ihre Karriere als Schauspielerin abzubrechen und nach Jerusalem zu gehen, um dort ihren neuen Glauben zu leben. Tony, der Regisseur, versucht seinen Film um jeden Preis zu verteidigen – im Namen der Meinungsfreiheit, tut sich aber schwer damit, seine Position zu begründen. Schließlich noch Ted Younger (Forest Whitaker), Fernsehmoderator, der eine Fernsehserie über das Leben Christi vorbereitet und deshalb Verbindung zu Tony und Mary aufnimmt. Auch er, mit problematischem Privatleben, sucht seinen wahren Glauben.

Mary (Juliette Binoche) spielt Maria Magdalena: Ein Film im Film.

In "Mary" versucht Abel Ferrara, eine Palette verschiedener Perspektiven auf die katholische Religion, auf Jesus und Maria Magdalena zu zeigen, indem er im Doku-Fiction-Stil immer wieder theologische Experten (darunter Jean-Yves Leloup) zu Wort kommen lässt. Anfänglich beschleicht einen deshalb die Sorge um die Objektivität des Films gegenüber dem Glauben, aber vielleicht hinterlassen auch bloß die letzten Szenen des Films, in denen man die Läuterung der drei Hauptpersonen miterlebt, diesen Eindruck. Die beiden Männer, Tony und Ted, könnten ein Spiegelbild von Abel Ferrara sein. Indem er die Figur eines Regisseurs benutzt, der einen religiösen Film dreht, benutzt Ferrara ein Bild im Bild, wenn auch kein schmeichelhaftes, für ein Selbstportrait. In der Person des Tony kann man aber gleichzeitig auch leicht, schon vom Aussehen her, Mel Gibson erkennen. Abel Ferrara könnte allerdings genauso gut Ted sein, der Journalist auf der Suche nach Wahrheit, der nichts weiß. Gequält von seinen Sünden, offenbart er sich Gott nach einem Drama in seinem Privatleben, der Frühgeburt seines Sohnes, während er seine Frau (Heather Graham) betrügt.

Aber auch wenn es nicht sie ist, die man am häufigsten auf der Leinwand sieht, so dominiert doch Mary den Film mit ihrer Präsenz. Ihre plötzliche Bekehrung wird als eine Art “Königsweg” präsentiert. Abel Ferrara kommt über die Experteninterviews übrigens immer wieder ausgedehnt auf die wahre Rolle, die Maria Magdalena gegenüber Jesus gespielt hat, zurück, bekannt seit der Entdeckung ihres apokryphen Evangeliums in Ägypten 1945. Weder Prostituierte, noch Geliebte Christi, ist sie wohl eine seiner wichtigsten Jüngerinnen gewesen.

Was die Regie betrifft, so gibt sich Abel Ferrara Mühe, verschiedene Orte und Momente gegenüberzustellen. Zum Beispiel die Szenen bei den Dreharbeiten und in der Realität. Mary hält sich für Maria Magdalena. Zuerst im Traum, später dann immer undeutlicher. New York, wo Ted und Tony leben, und den Nahen Osten von Maria. Genauso laufen beispielsweise in dem Fernsehstudio in einer Endlosschleife Bilder vom israelisch-palästinensischen Konflikt, darunter das weltbekannte Bild eines Vaters mit seinem Sohn, gefangen im Kreuzfeuer zwischen den feindlichen Linien, das Teds Schock über die Geburt seines Sohnes widerspiegelt. Es sind die Kommunikationsmittel, die die Brücke zwischen den beiden Welten schlagen. Die ständig laufenden Fernseher, die Telefone, besonders das, was benutzt wird, um Mary während der Fernsehsendung zu erreichen. In einer Szene richten sich aller Augen auf dieses Telefon - und man hört Marys Stimme, als käme sie direkt aus dem Himmel.

Mary
Regie : Abel Ferrara. Mit Forest Whitaker, Juliette Binoche, Matthew Modine, Heather Graham. USA-Italien-Frankreich, 2005. Wiederholung : Sonntag 24. Februar 2008, 18 :00 im Babylon Mitte

22

02

2008

Das bewegte Berlin: Der Streik

In „Das bewegte Berlin“ nehmen Babel-Autoren rückblickend das Top-Thema der vergangenen Woche in der deutschen Hauptstadt auf. Die Sichtweise ist subjektiv, analytisch, kommentierend aber immer auch informierend. Schreibt uns in Kommentaren eure Meinung zum Thema. Den Anfang macht diese Woche Matthias Jekosch.

Es ist Streik in Berlin. Warnstreik, genauer gesagt. Der Streik bewegt die Stadt, wobei, eigentlich auch nicht. Denn bisher spüren die Bewohner der Hauptstadt wenig vom Arbeitskampf. Im Gegenteil, die Stadt kann sich bewegen wie immer, trotz des Streiks. Das Drohpotenzial, das sich aufbaut, ist indes ein gewaltiges. Unter anderem sind die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR), die Polizei, die Verwaltung, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Bäder, der Einzelhandel und die Kindertagesstätten betroffen.

Noch beschränkt sich die BSR auf einen orangenen Autokorso zum Roten Rathaus, dem Dienstsitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Sobald sie den Müll stehen lässt, leidet die Bevölkerung. Noch treten viele Angestellte der Polizei trotz Streikaufrufes durch die Gewerkschaft zum Dienst an, so dass Objekte wie jüdische Einrichtungen oder Botschaften nicht von Beamten bewacht werden müssen. Noch kündigen die Kitas frühzeitig an, wenn sie geschlossen bleiben und sorgen mitunter dafür, dass Kinder auch in anderen Einrichtungen ersatzweise unterkommen. Die Technische Universität schloss in den Semesterferien ihre Bibliothek nur für wenige Stunden. Zum Höhepunkt des Streiks kamen am Donnerstag um fünf vor zwölf laut Verdi etwa 5.000 Menschen zusammen.

Derzeit fährt die U-Bahn - doch schon bald könnten die Bediensteten Ernst machen  und unbefristet streiken.

Nur die Angestellten der BVG haben schon frühzeitig ihre Macht demonstriert. Anfang Februar fuhren für 39 Stunden weder U-Bahnen noch Trams oder Busse. Fortbewegen mussten sich die Berliner mit S-Bahnen, Taxen, Auto oder Fahrrad. Am kommenden Montag beginnt die Urabstimmung, ob dieser befristete Streik zum unbefristeten auswächst. Dazu könnte es schon wenige Tage später kommen.

Hintergrund sind bundesweite Streiks im öffentlichen Dienst. Verdi und andere Gewerkschaften fordern für etwa 1,3 Millionen Beschäftigte bis zu acht Prozent mehr Lohn, mindestens sollen sie aber 200 Euro mehr bekommen. Die Arbeitgeber bieten bis zu fünf Prozent, verlangen dafür aber eine Anhebung der Wochenarbeitszeit. Am Montag kommen alle Beteiligten in Potsdam zu neuen Verhandlungen zusammen. Der Tarifkonflikt der BVG wird davon unabhängig ausgetragen.

Berliner können zwar noch froh sein, dass die Streikkultur in Berlin eine zivilisierte ist. Streikführer in Ländern wie Frankreich oder Griechenland würden sich verwundert die Augen reiben, sähen sie ihre deutschen Kollegen so vorsichtig vorgehen. Die Griechen kennen da nichts: Dort bleibt der Müll einfach liegen. Und wie oft schon bewegte sich in Frankreich einfach gar nichts. Doch die Gewerkschaften in Berlin tun gut daran, nicht die Bevölkerung bluten zu lassen. Denn ohne deren Rückhalt verlieren auch sie an Legimitation. So müssen sie plausibel machen, warum die Fahrer der BVG eine Erhöhung ihres Gehalts um zwölf Prozent verdienen – so lautet nämlich die Forderung. In einer Stadt, in der laut einer Studie des Wirtschaftsdienstleisters Creditreform über 15 Prozent der Haushalte verschuldet sind und von der es heißt, sie sei arm aber sexy, können überhöhte Forderungen falsche Signale senden. Noch ist es ein Streik light – und dabei sollte es auch bleiben.

14

02

2008

Lernen mit Orangen

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Robert-Bosch-Stiftung, 1. Stock, Plenarsaal. 35 Nachwuchsjournalisten aus elf Ländern kamen hier zusammen. Vom 17. bis 20. Januar wurden sie während der 2. Berliner Babel Akademie von hier aus in Bewegung gebracht. Reportage-Workshop im 3. Stock, Schreibwerkstatt im 4. Stock, Veranstaltungen in ganz Berlin. Vom Weg kam aber niemand ab. Im Gegenteil: Der Weg in den Journalismus sollte mit Tipps von Medienprofis gefestigt werden.

„Journalismus ist eben auch Handwerk“, sagte Georg Baltissen von der „tageszeitung“ (taz) aus Berlin. Und Handwerk lässt sich lernen. Neben Baltissen, der in seinem Workshop die Textsorten „Reportage“ und „Kommentar“ behandelte, vermittelten auch weitere Dozenten ihr Wissen: Meike Dülffer von der europäischen Presseschau im Internet „eurotopics“, Andreas Metz vom Journalistennetzwerk „N-ost“, Inga Majer von „United Visions“ sowie die „tageszeitung“ (taz)-Journalisten Barbara Oertel, Thomas Eyerich und William Totok.

Feilten in Berlin zwei Tage lang an ihrem Können: 35 Nachwuchs-Journalisten aus ganz Europa.

Für manche Einblicke mussten die Teilnehmer größere Distanzen als nur ein paar Stockwerke überwinden. Der polnische Botschafter Marek Prawda empfing sie im äußersten Westen Berlins, im Stadtteil Grunewald. Die weite Anreise belohnte er mit seiner Offenheit. Zu Zeiten der Kaczynski-Brüder hätten ihm die Türen in Berlin offengestanden, weil Polen ständig im Fokus der Öffentlichkeit war. Dafür habe seine Arbeit allerdings mehr aus Schadensbegrenzung bestanden.

Nicht nur der polnische Botschafter machte sein Land mit den Journalisten bekannt. Auch untereinander lernten sie sich und ihre Länder besser kennen. „Die Akademie hat meinen internationalen Freundeskreis erweitert“, zog Stephanie Lehner aus Österreich ihr persönliches Fazit. Sie wird bald eine Teilnehmerin aus Brno besuchen. Gemeinsames Tanzen und Trinken, zum Beispiel im Restaurant „Hell oder Dunkel“ oder im „Roten Salon“ machten den internationalen Kontakt einfacher. Damit wurde auch eines der Ziele von „Jugend für Europa“ erfüllt: Den Austausch unter jungen Europäern zu fördern. Mit den Mitteln der deutschen Agentur für das EU-Programm „Jugend in Aktion“ wurde die Akademie finanziert.

Selbst noch nach dem Ende der Akademie machen sich zwei Teilnehmer auf ihren Weg: Christiane Lötsch aus Berlin und Pim de Kuijer aus Brüssel gewannen den Journalisten-Wettbewerb, zu dem 27 Artikel eingereicht wurden. Der Preis ist ein Recherchekostenzuschuss. Christiane wird in Lodz die Filmhochschule porträtieren, die auch schon Roman Polanski besuchte. Pim berichtet über die Abstimmung zur Unabhängigkeit des Kosovo. Beide Artikel werden demnächst auf Café Babel erscheinen.

Ob Pim dabei auch über Orangen schreiben wird? „Ich wusste nicht, dass Orangen so inspirierend sein können“, sagte er nach der Schreibwerkstatt mit Andreas Metz. Metz platzierte mehrere Orangen auf seinem Tisch. Dann war die Kreativität der Nachwuchsjournalisten gefragt. Das schult die Schreibe - auch wenn Orangen im Berufsalltag eine eher untergeordnete Rolle spielen.

11

02

2008

Berlinale Talent Campus

Wie jedes Jahr im Februar ist Berlin im Filmfieber. Die Berlinale hat begonnen, und Filmbegeisterte aus aller Welt strömen in die Stadt. In einer Serie berichten drei Babelianerinnen im englischen Blog von einem eher weniger bekannten Teil des berühmten Festivals. Auf dem "Berlinale Talent Campus" treffen sich 350 junge Filmschaffende aus der ganzen Welt, um ihre Werke zu präsentieren, sich auszutauschen und in verschiedenen Workshops an ihrem Können zu arbeiten. Lena Meier, Sandra Wickert und Paula Martinez sind für Babel Berlin dabei. Was sie erleben - nach dem Klick auf diesen Link.

Videos rund um den Talent Campus gibt es außerdem im eigens eingerichteten Youtube-Channel oder bei Dailymotion. Unten bereits ein kleiner Vorgeschmack. Es handelt sich um ein Video, das beim letzten Talent Campus entstand, als zwei Regisseure ihre gemeinsame Vorliebe für das Fahrradfahren entdeckten...

08

12

2007

Babel Berlin - das Team stellt sich vor


Nils AUS DEM MOORE
Präsident, Redakteur, Organisation
Kontakt: president[AT]cafebabel.de, nils.admoore[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Jahrgang 1977





Diplom-Journalist und Volkswirt. Seit 2004 Gründungspräsident des Vereins Babel Deutschland.
Ich habe in Dortmund, Brüssel und Berlin studiert und cafebabel.com 2002 während eines Praktikums bei Le Figaro in Paris kennengelernt. Von 2005 bis 2007 leitete ich das Wirtschaftsressort des politischen Monatsmagazins Cicero in Berlin. Seit November 2007 arbeite und promoviere ich im Berliner Büro des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).


Jan Peter AUS DEM MOORE
Schatzmeister, Organisation
Kontakt: treasurer[AT]cafebabel.de, jp.admoore[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Jahrgang 1979


VWL-Studium in Bayreuth, Nizza - Erasmus, Ohio - Fulbright, und Berlin - inzwischen seit drei Jahren berufstätig. Für Babel tue ich das, was ich am besten kann: (Geld) organisieren... frei nach dem Motto: frage nicht, was Europa für Dich tun kann, sondern was Du für Europa tun kannst!


Ishak ISIK
Fundraising, Organisation
Kontakt: fundraising[AT]cafebabel.de, ishak.isik[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Jahrgang 1977




Seit 2005 Babelianer. Jurastudium in Münster, Lyon/Frankreich und Norwich/England.


Juliane HAGEDORN
Öffentlichkeitsarbeit, Übersetzerin, Organisation
Kontakt: pr[AT]cafebabel.de, juliane.hagedorn[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Spanisch, Englisch, Französisch
Jahrgang 1981


Politik-, Geschichts- und Philosophiestudentin (Freiburg, Granada/Spanien, Berlin). Ewig habe ich auf ein europäisches Medienprojekt gewartet und dann im Sommer 2005 endlich von Café Babel erfahren! Warum hat mir niemand früher Bescheid gesagt? Meine bisherige Zeit mit den Berliner Babelianern war wundervoll, und ich freue mich auf viele weitere produktive Jahre in diesem faszinierenden Netzwerk!!


Karsten MARHOLD
Öffentlichkeitsarbeit, Redakteur, Organisation, Webmaster
Kontakt: pr[AT]cafebabel.de, karsten.marhold[AT]cafebabel.de, webmaster[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Jahrgang 1985



Seit drei Jahren bin ich bei cafebabel.com, dem Café der unbegrenzten Möglichkeiten. In diesem einzigartigen Projekt fühlt man die Seele Europas, kann wichtige Erfahrungen sammeln und lernt wunderbare Leute kennen - als Autor, Übersetzer, Organisator, Leser...


Jan SCHARLAU
Interne Kommunikation, Organisation
Kontakt: communications[AT]cafebabel.de, jan.scharlau[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Jahrgang 1978


Europa findet auf politischer und administrativer Ebene immer enger zusammen. Damit auch die Menschen zusammenfinden, eine europäische Öffentlichkeit entsteht, dafür kann cafebabel.com einen Beitrag leisten. Ich habe in Berlin, Münster, Paris, Brügge, Krakau studiert und gelebt, und cafebabel.com ist davon ein virtuelles Abbild - und noch viel mehr.


Matthias JEKOSCH
Chefredakteur Lokalredaktion Berlin, Übersetzer, Organisation
Kontakt: berlin.redaktion[AT]cafebabel.de, matthias.jekosch[AT]cafebabel.de

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch
Jahrgang 1980

Ein Café ist bunt, voll von Stimmen und Leben. Café Babel ist so ein Ort. Als Journalist aus Leidenschaft halte ich mich gerne da auf, wo etwas passiert. Hier ist Europa lebendig und spannend.

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11

2007

Babel-Journalismusakademie

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In Anknüpfung an die erfolgreiche Akademie 2006 veranstaltet cafebabel.com Berlin vom 17. bis 20. Januar 2008 erneut eine Journalismusakademie.

Sie richtet sich an Journalisten zwischen 18 und 30 Jahren, die für cafebabel.com schreiben bzw. Interesse daran haben und ihre journalistischen Fähigkeiten verbessern wollen.

Voraussetzung für die Einladung zur Akademie ist die Teilnahme an unserem Journalistenwettbewerb "Im Osten was Neues – Impulse für Europa?".

Mehr Informationen finden Sie im Anhang.

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